„Finanziell unabhängige Kirche auch unabhängiger im Urteil“


Der 33 Jahre alte Politiker aus Baden-Württemberg ist Katholik und in seiner Gemeinde aktiv. Im epd-Gespräch erklärt er, wie sich Auffassungen seiner Kirche und seiner Partei vertragen, wie er mit seinem Chor in Kontakt bleibt und warum er auch nach der Corona-Krise an der Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen festhalten will.

Corinna Buschow | evangelisch.de

Herr Strasser, Sie sind der neue religionspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Was verbindet Sie mit dem Thema?

Benjamin Strasser: Ich bin selbst gläubiger Katholik, in Oberschwaben aufgewachsen mit einer „katholischen Karriere“: Ministrant, Oberministrant, Gruppenleiter, bis heute – wenn es die Zeit zulässt – als Sänger im Kirchenchor. Das prägt mich und mein Glaube ist mir sehr wichtig. Ich habe mich gefreut, als mein Vorgänger Dr. Stefan Ruppert mich bei seinem Ausscheiden aus dem Bundestag als seinen Nachfolger vorgeschlagen hat.

Wie passt das zusammen: katholische Kirche und FDP?

Strasser: Bereits der Apostel Paulus hat an die Galater geschrieben: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit.“ Ich finde also, dass sich das grundsätzlich gar nicht ausschließt. Unser Ziel als Freidemokraten ist es, dass Menschen möglichst ein selbstbestimmtes Leben führen können, an den Gott glauben dürfen, an den sie möchten. Das Menschenbild des eigenständigen und verantwortlichen Menschen, das das Christentum auszeichnet, ist auch das meiner Partei.

Speziell bei ethischen Themen scheinen die Ansichten aber doch auseinander zu liegen, zum Beispiel bei der Sterbehilfe. Aus ihrer Fraktion gibt es einen Vorstoß für eine Liberalisierung der Suizidassistenz. Wie stehen Sie dazu?

Strasser: Solche Fragen sind natürlich immer Fragen an das eigene Gewissen, die ich an dieser Stelle anders beantworte als eine Mehrheit meiner Fraktionskollegen. Ich sehe eine Erlaubnis der Hilfe bei der Selbsttötung kritisch – allerdings nicht, weil ich Menschen, die einen ernsten und festen Sterbewillen haben, das verbieten will. Das steht uns nicht zu. Ich habe aber Sorge, dass Menschen aus verschiedenen Gründen, wie etwa der Angst, anderen zur Last zu fallen, sich zu Entscheidungen genötigt sehen. Mir geht es darum, die Menschen zu schützen, die sterben werden, obwohl sie es eigentlich nicht wollen. Nun hat das Bundesverfassungsgericht aber entschieden, dass ein pauschales Verbot der organisierten Suizidassistenz nicht rechtmäßig ist. Damit müssen wir umgehen.

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