New York Times: Wahlen in Bolivien waren nicht gefälscht


Analysten sehen Betrugsvorwürfe gegen Ex-Präsident Evo Morales nicht haltbar. Organisation amerikanischer Staaten hat fragwürdige Rolle nicht aufgearbeitet

Harald Neuber | TELEPOLIS

Fast acht Monate nach dem Sturz des bolivianischen Präsidenten Evo Morales sieht nun auch die US-Tageszeitung New York Times die These eines Wahlbetrugs durch den ersten indigenen Staatspräsidenten entkräftet. Diesen Vorwurf hatten die rechtsgerichtete Opposition und die US-nahe Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) erhoben. Ein angeblicher Wahlbetrug war zudem das Hauptargument der Putschisten aus Opposition, Polizei und Armee. Die New York Times schreibt nun, die These eines Wahlbetrugs beruhe „auf falschen Daten und ungeeigneten statistischen Techniken“.

Der Artikel des US-Blatts stützt sich im Kern auf einen neuen Untersuchungsbericht von Nicolás Idrobo, Dorothy Kronick und Francisco Rodríguez. Diese Analyse detaillierter Wahldaten, die Forschern außerhalb der OAS bisher nicht zur Verfügung standen, widerlegt den Betrugsvorwurf. Der Bericht ist heikel, weil die OAS sich seit Monaten gegen Forderungen nach der Veröffentlichung ihrer Daten und Methoden wehrt. Die Autoren zeigen, dass sie in der Lage waren, das Endergebnis genau vorherzusagen, indem sie unter anderem Stimmen auswerteten, die vor einer Unterbrechung der Auszählung publik waren.

„Wer die Wahl 2019 genau verfolgt hat, hatte nie einen Zweifel daran, dass die Betrugsbehauptungen der OAS gefakt waren“, sagte Jake Johnston von der US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation Center for Economic and Policy Research (CEPR). Johnston ist Mitautor eines 82-seitigen Berichts über die bolivianische Wahl und die Rolle der OAS dabei.

„Nur wenige Tage nach der Abstimmung räumte mir gegenüber ein hochrangiger Beamter innerhalb der OAS privat ein, dass es keine ‚unerklärliche‘ Trendwende gegeben habe“, sagte er. Doch genau dies hatte die Organisation viele Monate lang wiederholt, ohne hinreichende Belege anzuführen. Auch die deutsche Bundesregierung hatte den Putsch gedeckt, indem sie auf eine umstrittene Erklärung des bolivianischen Verfassungsgerichts verwies, das den Sturz Morales’ und die Selbstausrufung der amtierenden De-facto-Präsidentin Jeanine Áñez als „verfassungskonform“ bestätigte.

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