34 Bootsflüchtlinge tot im Mittelmeer geborgen


Beim Untergang eines Flüchtlingsboots vor der tunesischen Küste sind mindestens 34 Schutzsuchende, unter ihnen zwei Kinder, ums Leben gekommen.

ANF News

Die europäische Abschottungspolitik hat erneut Dutzende Menschenleben gefordert. In den vergangenen zwei Tagen wurden 34 Leichen von Schutzsuchenden vor der Küste Tunesiens geborgen. Bei den Ertrunkenen handelt es sich um 23 Frauen, neun Männer und zwei Kinder im Alter von etwa drei Jahren. Insgesamt sollen sich auf dem Boot 53 Personen befunden haben, daher geht die tunesische Küstenwache von weiteren Toten aus und setzt die Suche fort. Das Boot war seit Freitagnacht auf See. Aufgrund der Abschottung Libyens weichen immer mehr Schutzsuchende auf eine Fluchtroute über Tunesien aus, um in Italien anlanden zu können. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfwerks UNHCR stieg die Zahl der Überfahrten zwischen Januar und April um über 150 Prozent. Das Ansteigen der Bootsflüchtlinge fand parallel zu einer weitgehenden Einstellung der zivilen und staatlichen Seenotrettung statt. Zivile Seenotrettung wurde von Staaten wie Italien und Malta massiv behindert, Boote festgesetzt oder das Anlanden aufgrund der Corona-Pandemie verhindert.

Abschottung um jeden Preis

Zuletzt machte der Fall von zwölf Schutzsuchenden, die nach ihrer Zurückweisung aus maltesischen Gewässern verdursteten oder ertranken, Schlagzeilen. Die Seenotrettungsinitiative Alarmphone machte damals Malta schwere Vorwürfe: „Wir können nun bestätigen, dass es sich bei dem heute nach Libyen zurückgekehrten Boot um das Boot mit 55 Personen handelte, nach dem wir gesucht hatten. Zwölf Menschen verdursteten oder ertranken, weil Malta die Rettung versäumte. Die Überlebenden wurden illegal nach Libyen zurückgeschoben, wo sie erneut Folter und Vergewaltigung erleiden werden.“ Mittlerweile bestätigte die Internationale Organisation für Migration (IOM), dass ein Teil der nach Libyen zurückgebrachten Schutzsuchenden in libyschen „Privatgefängnissen“ gelandet seien. Deutsche Diplomaten hatten die Verhältnisse dort als „KZ-ähnlich“ beschrieben.

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