Nigeria: Der Islamische Staat ist wieder da


Seit er in seinen Kerngebieten im Irak und später in Syrien besiegt wurde, ist es um den Islamischen Staat (IS) ruhig geworden. Auch in Libyen, wo er ebenfalls einmal größere Gebiete unter Kontrolle hatte, spielt er nach der Sammlung der Milizen an den zwei verbliebenen wichtigen Akteuren Fayiz as-Sarradsch und Khalifa Haftar kaum mehr eine Rolle. Ganz verschwunden ist die salafistische Terrorgruppe aber noch nicht. Das zeigte sie gestern gegen 15 Uhr Ortszeit im etwa 80 Kilometer von der Borno-Hauptstadt Maiduguri entfernten Viehzüchterdorf Felo.

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Ein kalifornischer Nationalgardist bildet einen nigerianischen Soldaten für den Kampf gegen Dschihadisten aus. Bild: media.defense.gov

In der im Bezirk Gubio gelegenen Ortschaft tötete ein Überfallkommando des Islamischen Staats Provinz Westafrika (ISWAP) gegen 15 Uhr Ortszeit mindestens 59 Dorfbewohner. Ein Teil davon wurde erschossen, ein anderer überfahren. Dabei verfolgten die Terroristen ihre Opfer auch dann noch, als diese in den Busch flüchteten.

3.500 bis 5.000 Angehörige

Die nigerianische IS-Filiale ISWAP verfügt den Schätzungen der Vereinten Nationen aus dem Februar 2020 nach über 3.500 bis 5.000 Angehörige. Sie entstand, als der Boko-Haram-Führer Abubakar Shekau dem inzwischen getöteten IS-Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi im März 2015 einen Treueschwur leistete (vgl. IS-Kalifat wird auf einen Schlag um mindestens 70.000 Quadratkilometer größer). Im Jahr darauf spalteten sich die nigerianischen Terroristen nach Führungsstreitigkeiten in den ISWAP und die gemeinhin wieder unter dem Namen Boko Haram laufende Gruppe „Dschama’atu Ahlis Sunna Lidda’Awati Wal-Dschihad“.

Die Territorien, die die nigerianischen Dschihadisten Mitte der 2010er Jahre kontrollierten, befinden sich inzwischen wieder weitgehend in der Hand staatlicher Stellen, die dabei auch auf die Hilfe von Dorfmilizen setzen. Die Gründung so einer Dorfmiliz im von zahlreichen Viehdiebstählen heimgesuchten Felo war deren Kommandanten Babakura Kolo nach der Anlass für das ISWAP-Massaker.

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