Politikwissenschaftler über Polizei: „Diesen Rassismus gibt es“

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Überall gebe es latenten Rassismus, sagt Polizeiforscher Hans-Gerd Jaschke. Bei der Polizei sei das aber ein besonderes Problem für die Demokratie.

Pia Stendera | taz

Wie rassistisch ist die Polizei? Zentrale Vereidigung der angehenden KommissarInnen in NRW 2018 Foto: Jochen Tack/imago

taz: Herr Jaschke, die SPD-Vorsitzende Saskia Esken hat gesagt, es gebe „latenten Rassismus“ bei der Polizei. Dafür bekommt sie viel Kritik, auch aus der eigenen Partei. Eine vermessene Behauptung?

Hans-Gerd Jaschke: Nein, denn diesen Rassismus gibt es. Das zeigen die wenigen Untersuchungen, die wir haben. Natürlich gibt es auch in anderen Berufsgruppen latenten Rassismus, insofern würde ich das nicht dramatisieren, aber: Die besondere Bedeutung bei der Polizei liegt darin, dass sie über das Gewaltmonopol verfügt. Wenn der Lokomotivführer rassistische Überzeugungen hat, aber mich trotzdem gesund zu meinem Ziel bringt, dann kann ich ihm das vielleicht nachsehen. Aber wenn der Polizeibeamte mit ethnischen Minderheiten zu tun hat und dort seine Überzeugungen auslebt, dann ist das sehr gefährlich für die Demokratie.

Warum fällt es der Polizei so schwer, strukturellen Rassismus anzuerkennen?

Die Polizeiführung und die Innenbehörden haben sich jahrzehntelang sehr schwer getan, überhaupt einen kritischen Blick in das Innere der Polizei zuzulassen. Wir haben erst seit wenigen Jahren Ombudsleute, andere europäische Länder sind da weiter. Wir haben Anfang dieses Jahres erstmalig in der Bundesrepublik eine Untersuchung zu rechten Tendenzen in der Polizei durchgeführt, nämlich in Hessen. Andere Bundesländer sollten hier nachziehen. Es ist wichtig, einen genauen Blick auf die Polizei zu werfen, doch die Polizeiführung scheint mir auf dem richtigen Weg.

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