Wie Trump Polizeigewalt rechtfertigt


Das Video ging um die Welt: Ein Polizist stößt in Buffalo einen alten Demonstranten zu Boden. Tage später schaltet sich der Präsident ein. Er stempelt das Opfer zum Antifa-Spion – ohne Belege.

Stefan Tomik | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der Demonstrant Martin Gugino liegt blutend am Boden. Bild: AFP

„Beweg Dich“ und „Geh weg“, rufen die Polizisten einem Demonstranten zu, der langsam auf sie zugeht. Kurz darauf liegt der 75-Jährige blutend am Boden. Der Vorfall in Buffalo im Bundesstaat New York vom Donnerstag wurde umgehend auf Twitter verbreitet, als nächster Beleg für übermäßige Polizeigewalt. Eine neue Dimension bekam er nun durch einen Tweet von Donald Trump. Der Präsident überzog den Rentner, der jetzt im Krankenhaus liegt, am Dienstag mit unbelegten Anschuldigungen.

Dieser Mann heißt Martin Gugino. Er hatte an einer Demonstration gegen Polizeigewalt teilgenommen. Auf dem Video eines lokalen öffentlichen Rundfunksenders ist zu sehen, wie Gugino einer Gruppe von mehr als einem Dutzend Polizisten entgegen geht. Die Polizisten tragen Helme, halten Schlagstöcke in den Händen und rücken immer näher. Doch Gugino bleibt stehen und gestikuliert, anscheinend will er mit zwei Polizisten diskutieren. Warum er mit seiner rechten Hand, in der er offenbar ein Mobiltelefon hält, einmal in Richtung des Gürtels eines der beiden Polizisten langt, bleibt unklar. Ein Dritter Beamter kommt hinzu, und mindestens einer der Polizisten stößt Gugino mit der Hand gegen die Brust, der verliert das Gleichgewicht, fällt rücklings auf den Boden, der Aufschlag ist deutlich zu hören, und bleibt regungslos liegen.

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