Freiwillige opfern sich für riskante Impfstudien – ist das ethisch vertretbar

coronavirus sars-cov-2

Erst lassen sie sich impfen, dann gezielt mit Sars-CoV-2 infizieren. Sie wollen damit die Forschung vorantreiben. Aber die Zustimmung der Probanden reicht nicht aus, um ein solches Experiment ethisch zu rechtfertigen.

Lena Stallmach, Stephanie Lahrtz | Neue Zürcher Zeitung

Ein Patient wird in die Notaufnahme der Covid-Klinik La Carità in Locarno geschoben, die sich vor dem Gebäude der Klinik befindet. Aufnahme vom 13. Mai 2020. Christoph Ruckstuhl / NZZ

Es erinnert an ein düsteres Kapitel in der medizinischen Forschung, als Menschen teilweise ohne ihr Wissen mit einem Krankheitserreger infiziert wurden, um beispielsweise die Syphilis zu erforschen. Derzeit wird diskutiert, Menschen erst mit einer experimentellen Vakzine zu impfen und sie dann gezielt mit Sars-CoV-2 zu infizieren, um die Wirksamkeit eines potenziellen Impfstoffes schnell überprüfen zu können. Man spricht dabei von Provokationsstudien oder von «human challenge studies».

«Ich will etwas beitragen im Kampf gegen Covid-19»

Doch anders als bei früheren Infektionsstudien im Naziregime und in anderen Ländern zu dieser Zeit soll es jetzt transparent zugehen und unter ethischer sowie medizinischer Aufsicht. Ein weiterer entscheidender Unterschied ist: Es sind auch Freiwillige, die solche Studien fordern und sich dafür zur Verfügung stellen, so haben sich unter «1 Day sooner» mehr als 28 000 Menschen aus 102 Ländern registriert; einen ersten Ableger gibt es auch im deutschsprachigen Raum: «1 Tag frueher».

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