Ein Land wird zum Truppenübungsplatz


Die Türkei, Russland, Ägypten, Katar, die Emirate, Jordanien – alle schicken Waffen, Geld, teilweise auch Söldnertruppen nach Libyen. Es geht um Islamismus und den Ausbau der eigenen Macht, nur scheinbar nicht um Frieden. Dabei ist Chaos in dem Land auch für Europa gefährlich.

Frauke Niemeyer | ntv

Die Kämpfer der libyschen Regierung konnten zuletzt die Hauptstadt Tripolis wieder unter Kontrolle bringen. (Foto: picture alliance/dpa)

„Niemand ist übrig“, sagte der Bürgermeister des libyschen Küstenorts Sirte der Nachrichtenagentur dpa und meinte die siebenköpfige Familie, die in der vergangenen Woche bei Angriffen auf seine Stadt ums Leben gekommen ist. Nachdem die Milizen der Regierung Anfang Juni Libyens Hauptstadt Tripolis wieder unter ihre Kontrolle gebracht hatten, nahmen sie Sirte ins Visier, den Küstenort, in dem sich die bedeutendsten Ölterminals des Landes befinden.

Viele Bürger der Hafenstadt wird diese Entscheidung der international anerkannten libyschen Regierung von Premier Fayez al-Sarradsch ihr Leben kosten. Denn wenn auch die vielen Beteiligten an diesem verworrenen, zerstörerischen Krieg unterschiedlichste Interessen haben – das Interesse daran, Menschenleben zu schützen, hat noch keiner von ihnen in den vergangenen Jahren gezeigt.

Nicht das Emirat Katar, das den Krieg mitfinanziert, und nicht die türkische Regierung, die mit Kampfdrohnen, Panzerfahrzeugen, Luftabwehr und syrischen Söldnern, die direkt aus dem dortigen Kampf gegen den Diktator Baschar al-Assad kommen, den jüngsten Erfolg der Regierungsmilizen erst möglich gemacht haben.

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