Streit um koloniales Erbe: Wie zeitgemäß sind Europas Denkmäler?


Durch die anti-rassistischen Proteste ist auch die Diskussion über Statuen und Denkmäler aus der Kolonialzeit neu entbrannt. Wie gehen verschiedene Länder damit um? Und was sagen Wissenschaftler? Ein Überblick.

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Die Statue von Edward Colston fällt in Bristol ins Wasser und wird dabei von vielen Menschen gefilmt. | Bildquelle: KEIR GRAVIL via REUTERS

Erinnerung an die eigene Vergangenheit oder Ehrung von Rassisten und Mördern? Seit dem Tod der Amerikaners George Floyd und den weltweiten Protesten gegen Rassismus hat die Diskussion über den Umgang mit Denkmälern und Statuen aus der Kolonialzeit befeuert. In den USA wurden Statuen von konföderierten Generälen gestürzt. Sie kämpften für die Aufrechterhaltung der Sklaverei und taugten daher nicht als Vorbild und für öffentliche Ehrungen, so die Kritiker.

Auch in Belgien und England wurden Denkmäler zerstört oder beschädigt. In Deutschland erinnern Statuen, Straßen und Kasernen an Personen, die an der Ausbeutung der ehemaligen Kolonien oder der Ermordung ihrer Bewohner beteiligt waren. Wie sollen heutige Gesellschaften damit umgehen?

Deutschland

Mehrere Gruppen fordern schon länger, Denkmäler und auch Straßennamen zu verändern, um angemessen an die Geschichte zu erinnern. An mehreren Orten ist dies auch bereits passiert. Der Abbau von Statuen oder das Anbringen von Infotafeln allein seien aber nicht der richtige Weg, sagt etwa der Verein „Berlin Postkolonial“. „Kolonialdenkmäler sollten nicht einfach abgeräumt werden“, sagte ein Sprecher. Denn so würde die Erinnerung an die Geschichte einfach getilgt. Konstruktiver wäre es stattdessen, Kunstschaffende zum Beispiel aus ehemaligen Kolonien dazu einzuladen, die Denkmäler zu verändern oder umzuwidmen. Bei Straßenumbenennungen solle der kolonialhistorische Bezug erhalten bleiben, etwa „durch die Ehrung von Menschen aus dem Widerstand gegen den deutschen Kolonialismus“.

Eine gründliche Aufarbeitung fordert auch die Kulturhistorikerin Britta Schilling von der Universität Utrecht. Ihrer Meinung nach müssten etwa auch geplünderte Kunstgüter zurückgegeben werden. „Straßennamen und Denkmäler sind nur die Spitze des Eisbergs.“

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