2017 zog eine radioaktive Wolke über Europa, deren Ursprung bis heute umstritten ist


Russland bestreitet bis heute, dass 2017 in der Wiederaufbereitungsanlage von Majak Radioaktivität freigesetzt wurde. Doch wenige Nanogramm Ruthenium bringen Licht in einen Atomunfall, den es angeblich gar nicht gab.

Christian Speicher | Neue Zürcher Zeitung

Die tiefrot gefärbte Lösung ist mit Extrakten aus der gefilterten Luft versetzt. Trennt man die Lösung nach ihren Bestandteilen auf, erhält man Indizien, in welcher chemischen Form das radioaktive Ruthenium freigesetzt wurde.  Georg Steinhauser

Gelangt heute irgendwo auf der Welt Radioaktivität in die Atmosphäre, schrillen die Alarmglocken. Ein globales Netz von Messstationen registriert sofort, wenn die normale Konzentration von Radioisotopen in der Luft überschritten wird. Das war zum Beispiel im September und Oktober 2017 der Fall. Damals zog eine Wolke von radioaktivem Ruthenium-106 über Europa. Die Konzentrationen waren zwar nicht gesundheitsschädigend. Doch die Wolke war wesentlich stärker radioaktiv als diejenige, die nach dem Reaktorunfall von Fukushima über Europa gezogen war.

Bis heute ist umstritten, was damals geschah. Der rekonstruierte Weg der Wolke liess zwar rasch den Verdacht aufkommen, dass die Radioisotope aus der kerntechnischen Anlage Majak im südlichen Teil des Urals entwichen waren, wo abgebrannte Brennstäbe aus Atomkraftwerken wiederaufbereitet werden. Aber offizielle russische Stellen bestreiten bis heute vehement, dass es dort im fraglichen Zeitraum einen Unfall gab.

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