Kant und die Rassismus-Debatte: „Die Vertreter der Aufklärung sind nicht unschuldig“


Die „Black Lives Matter“-Bewegung führt auch zu den Ursprüngen von Rassismus und damit zu den Philosophen der Aufklärung. Statt Kant vom Sockel zu stürzen, sollten kritische Stellen in dessen Werk diskutiert werden, sagt der Philosoph Stefan Gosepath.

Stefan Gosepath im Gespräch mit Gabi Wuttke | Deutschlandfunk Kultur

Kritik an Immanuel Kant sei berechtigt – doch dessen Weltanschauung passe nicht zu Rassismus, sagt Stefan Gosepath. (picture alliance)

Rassistische Stellen gebe es in Immanuel Kants Werken und das müsse man auch offen zugeben, sagt Stefan Gosepath. Er ist Professor für Praktische Philosophie an der Freien Universität Berlin. Allerdings sieht er diese nicht als Kernpunkte in Kants Weltanschauung: „Das Zentrum seines Werkes, für das wir ihn schätzen, ist sein Universalismus, also die Behauptung, dass das für alle Menschen gilt – die Tatsache, dass er die gleiche Menschenwürde und den Kosmopolitismus mitbegründet hat.“

Ob Kant, wenn er in seinen Schriften „von allen Personen spricht“ tatsächlich mitnichten alle Menschen, sondern nur den „weißen Mann“ meint, müsse die Kant-Forschung klären.

Rassenhierarchie und Rassenkategorie

Kant habe seine Meinung historisch geändert – möglicherweise, weil nur so seine Hauptprinzipien von Kosmopolitismus und Universalismus stimmig blieben, erläutert Gosepath: „Am Anfang hatte er nicht nur Rassen definiert, sondern auch eine Hierarchie von Rassen behauptet. Später hatte er eigentlich nur noch die biologische Kategorie – die wir heute auch in Frage stellen – aber keine These mehr darüber, dass es diese Hierarchie gibt.“

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