Einwanderung als „Wunderwaffe“ gegen den demographischen Wandel und für abgehängte Regionen?

Bild von kalhh auf Pixabay

Wie kann die Bundesrepublik Deutschland die Einwanderung dezentral organisierten und damit abgelegene, strukturschwache Regionen vor dem schleichenden Tod bewahren?

Christopher Stark | TELEPOLIS

Grafik: TP

Der demographische Wandel und die räumlich ungleichen Lebensverhältnisse in Deutschland vertiefen sich trotz anderslautender Festschreibungen im Grundgesetz immer weiter.

Zugleich ist nach wie vor nicht geklärt, wie und ob Einwanderung in Deutschland systematisch stattfinden soll – oder ob wir uns einfach von der nächsten Menschheitskatastrophe mit Fluchtfolge überraschen lassen wollen.

Institutionen, Wissenschaftler, Politiker und Journalisten beschäftigen sich mit beiden Problematiken und manchmal werden sie auch schon zusammen betrachtet. Relativ deutlich ist, dass die Bevölkerung hierzulande in den kommenden Jahrzehnten weiter schrumpfen wird. Es bleiben also drei Möglichkeiten:

Erstens der Rückzug aus der Fläche des Raums. Zweitens, dass mehr Menschen aus den Städten herausziehen, was aber natürlich nur ein begrenztes Potential hat – und drittens neue Einwohner aus dem Ausland zu holen, um jene demografische Lücke zu füllen. Letzterer Ansatz ist attraktiv, weil er eben nicht den Rückbau in entsprechenden Regionen erfordert und vorhandene Strukturen einfach weitergenutzt werden können.

Letztgenannte Variante wird auch in der laufenden Dissertation des Autors näher beleuchtet.1 Auch im Hinblick auf die Grundfrage, wie es mit staatlich induzierten Anreizsystemen für die Wahl des Wohnorts von Einwanderern (nicht nur Geflüchteten, sondern auch „regulären“ Immigranten) zu einer Verbesserung der Situation in diesen Räumen kommen kann – und wie Anreizsysteme umgesetzt werden könnten.

In diesem Artikel sollen nun verschiedene Ideen und Modelle und deren Umsetzbarkeit für die Bundesrepublik diskutiert werden, auch auf Basis von zwei Befragungen im Rahmen der erwähnten Dissertation. Es wurden zum einen 423 Personen befragt, die in ländlichen oder peripher/strukturschwachen sowie von Abwanderung betroffenen Regionen in Deutschland leben; und zum anderen 189 Personen, die nach Deutschland eingewandert sind.

Ergänzt werden sollte noch, dass dieser Text kein im engeren Sinne wissenschaftlicher Artikel ist, sondern eine Sammlung von Ideen und Ansätzen, die sich um eine Fragestellung herum aufgetan haben und auf Grundlage derer Lösungsstrategien erörtert werden.

„Flüchtlinge aufs Land“: Gesellschaftliche Beiträge

Die meisten großen Ballungsräume in Deutschland wachsen seit einigen Jahren in Bezug auf ihre Bevölkerungszahl während peripher/ländliche Regionen in einigen Teilen des Landes schrumpfen, vor allem in Ostdeutschland. Der demographische Wandel und die Abwanderung gehen einher mit einer rückläufigen ökonomischen Entwicklung und einen Rückbau von Infrastruktur wie Schulen in bestimmten Regionen.

Große Würfe und kühne Vorschläge um das Problem anzugehen sind notwendig. Jenseits von Sonntagsreden, in denen regelmäßig behauptet wird, Lösungen finden zu wollen, währen die abgehängten Regionen weiter ausbluten, drängt aber die Zeit, endlich Maßnahmen zu ergreifen – am besten auf Basis von wissenschaftlichen Empfehlungen mit massiven finanziellen Mitteln.

Die Frage, wie Einwanderung in Deutschland momentan funktioniert und wie sie funktionieren sollte, ist wichtig und es sollte niemand davor zurückschrecken, Ideen und Konzepte für konkrete Instrumente in den Ring zu werfen. Und zwar nicht welche, die der möglichst effizienten Verwaltung dienen, sondern solche im Sinne der Gesellschaft und der Interessen der Bevölkerungsmehrheit, inklusive der Zugewanderten.

weiterlesen