Weshalb sich China und Indien im Himalaja streiten – vier Antworten zum neu aufgeflammten Grenzkonflikt


Erstmals seit 1975 wurden Soldaten im umstrittenen indisch-chinesischen Grenzgebiet getötet. Weshalb liefern sich die beiden Atommächte immer wieder Scharmützel? Und wie gross ist die Gefahr einer Eskalation?

Samuel Misteli, Julia Monn | Neue Zürcher Zeitung

Inder demonstrieren gegen die chinesische Regierung, nachdem bei einem gewaltsamen Zusammenstoss mindestens 20 Soldaten getötet worden sind. Ajit Solanki / AP

Was ist passiert?

In der Nacht auf Dienstag wurden bei einer Auseinandersetzung zwischen chinesischen und indischen Soldaten mindestens 20 indische Armeeangehörige getötet. Laut den indischen Behörden gab es auch chinesische Opfer, die Pekinger Behörden haben dies nicht bestätigt. Es ist das erste Mal seit 1975, dass der indisch-chinesische Grenzkonflikt Todesopfer fordert.

Die Auseinandersetzung fand im Galwan-Tal statt, das auf über 4000 Metern über Meer in der Region Ladakh liegt. Das Tal ist einer der Brennpunkte des Grenzkonflikts. Die Soldaten attackierten einander offenbar mit Steinen und Stöcken, die Truppen beider Länder sind angewiesen, nicht aufeinander zu schiessen.

Die Spannungen an der fast 3500 Kilometer langen indisch-chinesischen Grenze hatten sich seit Anfang Mai verschärft. Soldaten lieferten sich mehrmals Schlägereien, unter anderem in Ladakh und rund 1000 Kilometer weiter östlich in Nord-Sikkim, einem weiteren umstrittenen Gebiet. Sowohl Indien als auch China haben in den letzten Wochen Tausende von Truppenangehörigen an die «Line of Actual Control», die umstrittene Demarkationslinie, verlegt.

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