„Da habe ich den Entschluss gefasst, dem Herrn Lübcke was anzutun“


Trotz Widerstands der Anwälte wird im Lübcke-Prozess das Vernehmungsvideo gezeigt. Der Angeklagte Stephan Ernst gibt darin die Tat zu.

Annette Ramelsberger | Süddeutsche Zeitung

Foto: Kai Pfaffenbach/dpa. Stephan Ernst (rechts), der des Mordes an Walter Lübcke angeklagt ist, am Donnerstag zusammen mit seinem Anwalt.

Der Angeklagte weint. Er bricht in Tränen aus, als er sich selbst reden hört, in jenem Video, das die Polizei von seiner Vernehmung gemacht hat. In diesem Video hat er alles gestanden: wie er sich Waffen besorgt hat, wie er das Haus des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ausgekundschaftet, wie er am Ende Lübcke erschossen hat. Vier Stunden dauert dieses Video, doch schon nach zehn Minuten beginnt Stephan Ernst im Gerichtssaal zu weinen. Er wischt sich mit den Fingern die Tränen aus den Augen, sein Anwalt will eine Unterbrechung, damit sich „Herr Ernst emotional beruhigen kann, sich das Gesicht waschen kann“. Da eilt der Vertreter der Bundesanwaltschaft quer durch den Saal. „Ich habe ein Taschentuch“, ruft er und reicht dem Angeklagten ein Päckchen Tempo.

„Brauchen Sie eine Pause?“, fragt der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel den Angeklagten. Der schüttelt den Kopf. Dann geht es weiter.

weiterlesen