Sprache und Rassismus


Die «Black Lives Matter»-Bewegung hat eine weltweite Solidaritätswelle und Debatte über Rassismus ausgelöst, zwischen falsch verstandener Political Correctness und freier Meinungsäusserung muss das Bewusstsein für Sprache geschärft werden.

Andreas Kilcher | tachles.ch

Die aktuelle Debatte um Sprache und Rassismus reicht tiefer, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Von der «Black Lives Matter»-Bewegung scheint hierzulande nicht allzu viel angekommen zu sein, wenn sich treue Schweizer zusammentun, um im Namen «Mohrenkopf» eine vermeintlich gute alte schweizerische sprachliche Tradition zu verteidigen und sich daher mit dem «Mohrenkopf»-Hersteller Dubler im aargauischen Waltenschwil solidarisieren, als ginge es um Schweizer Grundwerte, die gegen sprachpolizeiliche Fremd-regelungen zu verteidigen wären, Regelungen, die ihnen mit dem Namen auch die süsse Lieblingsspeise selbst wegnehmen. Die SVP spricht gar von «Diskriminierung» der Firma Dubler durch die Migros.

Alltagssprache und Politik
«Diskriminierung» von Dubler – und nicht etwa derjenigen, die im Namen «Mohren» verunglimpft werden? Spätestens hier wird deutlich, dass die Verteidigung des Namens «Mohrenkopf» nicht nur komisch ist. Sie reicht tiefer, geht es doch um die Politik der Sprache überhaupt. Dieser Zusammenhang wird auch und gerade dann deutlich, wenn er abgewehrt wird, das heisst, wenn behauptet wird, dass es sich hierbei doch bloss um einen Namen handle, und wer den Rassismus wirklich bekämpfen wolle, der könne doch nicht bei Worten ansetzen, erst recht nicht bei einem derart harmlosen Wort, das zudem positiv verwendet werde.

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