Covid-19: Wild-, Fleisch- und Fischmärkte – und Schlachthöfe?


Nach dem chinesischen Chef-Epidemiologen gleichen sich Covid-19-Ausbrüche auf den Märkten in Wuhan und in Peking. Und dann gibt es noch den Ausbruch im Schlachtbetrieb von Tönnies

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Bild: BlackRiv/Pixabay.com

In Deutschland brach die Covid-19-Epidemie kürzlich in dem Schlacht- und Fleischbetrieb von Tönnis in Rheda-Wiedenbrück aus. Nach Auswertung von 1106 Testergebnissen bis Donnerstagabend waren 730 Mitarbeiter positiv, am Freitag waren es schon 803, es wurden allerdings gestern alleine 140 Mitarbeiter getestet. Im Stammwerk müssen noch 5000 weitere Angestellte getestet werden, wodurch die Zahl der Infizierten noch ansteigen dürfte. Alle Mitarbeiter bis hin zur Unternehmensführung müssen mit ihren Angehörigen in Quarantäne. Ministerpräsident Armin Laschet erklärte, dass auch ein „flächendeckender Lockdown in der Region“ verhängt werden könnte, sollte sich das „nie dagewesenen Infektionsgeschehen“ ausweiten.

Die Vermutungen gehen dahin, dass die Arbeits- und Lebensbedingungen den Ausbruch befördert haben, durch die sich Hygieneregeln nicht einhalten lassen. Aber es könnten auch die anstrengende Arbeit, der lange Aufenthalt in geschlossenen Räumen – oder die niedrige Temperatur sowie die Zerlegung des Fleisches eine Rolle spielen. Auch in den USA waren Schlachthöfe Hotspots für Covid-19-Ausbrüche, ebenso Schlachthöfe in Brasilien, Frankreich, Spanien, Frankreich oder Australien.

Eine Kontamination von Fleisch oder Fleischwaren mit Coronaviren könnte theoretisch während der Schlachtung oder bei der Fleischzerlegung und -verarbeitung erfolgen. Dem BfR sind jedoch bislang keine Infektionen mit SARS-CoV-2 über den Verzehr von Fleischwaren oder Kontakt mit kontaminierten Fleischprodukten bekannt. Landwirtschaftliche Nutztiere, die zur Fleischproduktion verwendet werden, sind nach gegenwärtigem Wissensstand nicht mit SARS-CoV-2 infizierbar und können das Virus somit über diesen Weg nicht auf den Menschen übertragen.

Bundesinstitut für Risikobewertung

Von Fledermäusen, Fischen und Rindern

In China sind seit 11. Juni 172 Neu-Infektionsfälle (Stand 18. Juni) aufgetreten, davon 158 in Peking, darunter viele lokale Ansteckungen, die nicht durch Reise aus dem Ausland eingeführt wurden. Am 18. Juni wurden 25 neue Fälle entdeckt. In der Hauptstadt wurde das Infektionsgeschehen wie in Wuhan auf einen Großmarkt zurückgeführt. Wie bei Tönnies geht es um Tiere, in Wuhan fiel der Verdacht auf einen Wildtiermarkt – und damit auf Fledermäuse und Schuppentiere als mögliche Wirte, von denen das Virus übergesprungen sein könnte. Aber der Wildmarkt ging in einen Fischmarkt über. In Peking konzentriert man sich bislang auf den Fisch- und Meersfrüchtemarkt Xinfadi im Stadtviertel Fengtai, der sich aber wiederum neben einem Markt für Rind- und Lammfleisch befindet.

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