Im Winterschlaf altert der Körper nicht – das hat Potenzial


Forscher wollen Menschen in eine Art Winterschlaf versetzen, um sie auf Zeitreisen zu schicken oder um ihre Heilungschancen nach einem Schlaganfall zu verbessern. Experimentiert wird vorerst noch mit Mäusen.

Lena Stallmach | Neue Zürcher Zeitung

Ein Braunbär im Schnee. imago

Wachen Bären aus dem Winterschlaf auf, sind sie erst einmal sehr müde. «Sie müssen dann ganz viel Schlaf nachholen», erzählte ein Pfleger im Tierpark. Ich dachte erst, ich hätte mich verhört. Aber so paradox es klingt, der Winterschlaf hat mit Schlafen nicht viel zu tun. Es ist ein Ruhezustand ganz anderer Art.

Der Stoffwechsel und die Atmung werden gedrosselt, beispielsweise atmen Bären nur noch ein- bis zweimal pro Minute. Erstaunlicherweise leiden die Organe nicht unter dem Sauerstoffmangel, auch das Gehirn nicht. Aber es kann sich eben auch nicht richtig erholen.

Weil dabei kein Schaden an den Geweben entsteht, ist das Phänomen aber auch für die Medizin interessant. So hatte der japanische Arzt Genshiro Sunagawa die Idee, schwerkranke Patienten, die nicht mehr transportfähig sind, in diesen Zustand zu versetzen, um sie in eine Spezialklinik zu bringen oder um den Gewebeschaden nach einem Herzinfarkt zu minimieren. Vielleicht wären sogar Zeitreisen möglich, denn es deute viel darauf hin, dass der Körper im Winterschlaf nicht altere, sagte Sunagawa 2019 in einem Vortrag.

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