Weibliche Burschenschaft „Molestia“ will das Patriarchat zerstören – mit der Kraft der Vulva


Am Ende bündeln sie all ihre Wut. Sieben Frauen stehen im Blitz, dem Elektroclub im Deutschen Museum, den die meisten anderen Menschen wegen der Corona-Beschränkungen schon lange nicht mehr von innen gesehen haben. Verloren stapeln sich Stühle hinter der Garderobe, an der Bar stehen einsame Schnapsflaschen. In einem Kreis stehen die Frauen auf der Tanzfläche zusammen, sie sollen in Gedanken das Patriarchat zerstören.

Sophie Aschenbrenner | jetzt

In der juristischen Bibliothek im Münchner Rathaus sind nur selten Gäste zugelassen – am Sonntag durften die Teilnehmerinnen des Rundgangs dort Station machen. Foto: Stephan Rumpf

Am Ende bündeln sie all ihre Wut. Sieben Frauen stehen im Blitz, dem Elektroclub im Deutschen Museum, den die meisten anderen Menschen wegen der Corona-Beschränkungen schon lange nicht mehr von innen gesehen haben. Verloren stapeln sich Stühle hinter der Garderobe, an der Bar stehen einsame Schnapsflaschen. In einem Kreis stehen die Frauen auf der Tanzfläche zusammen, sie sollen in Gedanken das Patriarchat zerstören.

Das Blitz ist die letzte Station einer dreistündigen Performance. Die weibliche Burschenschaft „Molestia“ hat zu einem Stadtrundgang geladen. „Scheideweg“ heißt die Aktion, doppeldeutig ist das natürlich gemeint. Die Molestia hat ein eindeutiges Ziel: Sie ruft das Matriarchat aus. Und vertraut dafür auf „die Kraft der Vulva“.  

Der Rundgang startet auf dem alten Südfriedhof, vor einem Grab, das heute keines mehr ist. Hier lag eine junge Schwarze Frau namens Cula. Sie war Teil des sogenannten „Amazonencorps“, der 1892 in München in den Centralsälen und im Gärtnerplatztheater gastierte: junge, Schwarze Frauen, die aus dem heutigen Benin nach Bayern gebracht wurden, um dort von weißen Menschen bestaunt zu werden. Cula starb mit 17 Jahren am 13. November 1892 an einer Lungenentzündung, zwei Tage später wurde sie beigesetzt.

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