„Der politische Islam trat als revolutionäres Programm an“


Welche Rolle spielte der Kalte Krieg? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen die Entstehung des Islamismus.

Dennis Yücel | DER TAGESSPIEGEL

Ruhollah Chomeini war religiöser Führer der Islamischen Revolution von 1979; er stürzte aus dem Exil heraus den persischen Schah….Foto: Walter G. Allgöwer

Der Ursprung des politischen Islams im Iran und der schiitischen Netzwerke in dessen Nachbarländern liege in der geopolitischen Konstellation des Kalten Krieges, sagt der Globalhistoriker Timothy Nunan. 

Gemeinsam mit dem Politikwissenschaftler Siarhei Bohdan untersucht er, wie Ayatollah Ruhollah Chomeini und seine Anhänger ihre Ideologie entwickelten, um mit kapitalistischen und sozialistischen Ideen konkurrieren zu können.

In der Berichterstattung über den politischen Islam und seine fundamentalistische Ausprägung, den Islamismus, dominiert oft die Vorstellung, die Ideologien dieser Bewegungen seien auf einen extremen Traditionalismus zurückzuführen. 

„Entstanden sind sie allerdings nicht als traditionalistische, sondern im Gegenteil als revolutionäre Programme“, sagt Timothy Nunan. „Ihren Ursprung haben sie nicht in grauer Vorzeit, sondern in den 1960er und 1970er Jahren – als Reaktion auf die politischen Entwicklungen der Zeit, etwa im Iran.“

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