Konzepte der bakteriellen Virenabwehr gegen Covid-19


Ein Team der Stanford University arbeitet an einer zukunftsweisenden Methode zur Bekämpfung der Covid-19-Krankheit.

Dušan Živadinović | heise online/ct

Berechnungen zufolge kann das modifizierte CRISPR-Verfahren 90 Prozent aller bisher bekannten Corona-Viren an der Vermehrung hindern, auch den Verursacher der Covid-19-Krankheit, das SARS-CoV-2. Die theoretischen Grundlagen und erste Laboruntersuchungen hat das Team bereits im Mai im Fachblatt Cell veröffentlicht. Nun hat die Gruppe weitere Belege für die Wirksamkeit vorgelegt.

Den Forschern entbehrt es nicht an Humor; auch lassen sie einen Bezug zu Computer-Spielen erkennen: Sie nennen ihre Methode „Prophylactic Antiviral CRISPR in human cells“ und verkürzen die Bezeichnung spielerisch zu „PAC-MAN“. Tatsächlich sind Ähnlichkeiten zum gleichnamigen Computerspiel vorhanden: So wie sich das Bildschirmmännchen klötzchenfressend seinen Weg durch ein Labyrinth bahnt, so ähnlich darf man sich die Arbeitsweise des abgewandelten CRISPR-Systems vorstellen: Ein mit einer Sonde (guide, Führer) ausgerüstetes Protein patroulliert durch die Zelle und zerschnippelt alle zur Sonde passenden Gegenstücke, also virale Erbgutmoleküle.

In PAC-MAN kombinieren die Forscher molekulare Sonden mit dem Viruskiller-Protein Cas13d (cas-Nuklease), das normalerweise im Bakterium Ruminococcus flavefaciens zur Virenabwehr dient. Solche bakteriellen Abwehrsysteme laufen unter der Bezeichnung CRISPR/cas. Allgemeine Bekanntheit erlangte das System als Gen-Schere CRISPR. Sie wird im Kampf gegen Covid-19 bisher nur zur Diagnose genutzt. Neu ist, dass die Gen-Schere wie in Bakterien gegen Viren in Stellung gebracht werden soll, jedoch in höher entwickelten Organismen, und zwar nicht nur im Menschen, sondern auch in Wirten wie Kamelen oder Fledermäusen.

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