Der grosse Covid-19-Ausbruch bei Tönnies ist die Folge fahrlässiger Schlamperei von Firmenleitung und Behörden

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Die weiträumige Quarantäne in Gütersloh hätte leicht verhindert werden können. Doch erste Virusträger beim Fleischverarbeiter Tönnies und ihre Kontaktpersonen wurden entgegen den Behördenregeln lange nicht identifiziert.

Stephanie Lahrtz | Neue Zürcher Zeitung

Wegen eines grossen Sars-CoV-2-Ausbruchs mit über 1500 Infizierten bei dem Fleischunternehmen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück wurde über den ganzen Landkreis Gütersloh der Lockdown verhängt. Die Angst geht um, dass das Virus weitläufig in die Bevölkerung eingetragen werden könnte. Lukas Schulze / Getty Images Europe

Die Sars-CoV-2-Verbreitung im Fleischbetrieb der Firma Tönnies ist ein Paradebeispiel dafür, wie eine rücksichtslose Firmenleitung, aber auch zumindest teilweise ineffiziente Behörden einen richtig grossen Ausbruch überhaupt erst ermöglichen können. Dafür zahlen nun alle Menschen im Kreis Gütersloh einen inakzeptabel hohen Preis, wirtschaftlich wie gesellschaftlich. Der am Dienstag verhängte Lockdown ist angesichts der hohen Zahl von über 1500 Infizierten unvermeidlich. Dabei hätte er durchaus verhindert werden können. Und zwar einfach indem man den wissenschaftlichen Fakten geglaubt und den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) bereits im Mai Folge geleistet hätte.

Ideales Umfeld für Ansteckung am Arbeitsplatz

Wer es wissen wollte, konnte nicht erst letzte Woche zur Kenntnis nehmen, dass ein Schlachthof die ideale Umgebung für die Weiterverbreitung von Sars-CoV-2 ist. Das Virus mag es kühl und nicht zu feucht. Bei Temperaturen zwischen 0 und 10 Grad bleibt es länger stabil, auch auf Oberflächen. Mittlerweile haben zudem diverse Studien wie auch die Ausbruchsverläufe weltweit gezeigt, dass Aerosole eine wichtige Rolle bei der Übertragung der neuartigen Coronaviren spielen. Bei niedrigen Temperaturen bleiben die Aerosole länger in der Luft stehen, das Virus kann sich dort auch besser vermehren.

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