Bericht: So islamfeindlich waren Deutschland und Europa im Jahr 2019


Hassverbrechen, rassistische Behörden und alltägliche Anfeindungen: Der European Islamophobia Report 2019 zeichnet ein düsteres Bild vom muslimischen Leben in Europa

Fabian Goldmann | TELEPOLIS

Bild: Pixabay License

Übergriffe gegen Muslime und islamfeindliche Einstellungen nehmen in vielen europäischen Ländern zu. Dies ist eines von vielen Ergebnissen des neu erschienenen European Islamophobia Report 2019.

Auf insgesamt 829 Seiten zeichnen die Autoren ein weitgehend düsteres Bild zum Stand der Islamfeindlichkeit in Europa. So habe sich beispielsweise in Österreich die Zahl der erfassten anti-muslimischer „Hate Crimes“ verdoppelt. In Italien würden 70 Prozent aller Kopftuch tragenden Frauen über Gewalterfahrungen berichten und in den Niederlanden handelten 99% aller zum Thema Terrorismus veröffentlichten Beiträge von „muslimischen Terror.“

Über statistische Daten hinaus geben die insgesamt 32 Länderberichte Einblicke in Islamfeindlichkeit in allen Bereichen der Gesellschaft: Von Anschlägen auf Moscheen und andere islamische Einrichtungen, über Anfeindungen in Medien und im Netz, bis hin zu strukturellen Benachteiligungen durch Polizei und Justiz.

„Ein Jahr des rechten Terrors“

Auch in Deutschland sei „anti-muslimischer Rassismus in vielen Milieus und Regionen“ mittlerweile „sozial akzeptiert“, schreibt der Autor des Deutschland-Kapitels Enes Bayraklı. So ließen sich die Wahlerfolge der AfD „durch die Ablehnung des Islam und der Muslime durch einen Großteil der Wählerschaft erklären“.

Nach offizieller Zählung gab es 871 „Hate Crimes“ gegen Muslime in Deutschland im Jahr 2019, darunter 58 Straftaten gegen Moscheen. Bayraklı verweist allerdings darauf, dass die tatsächliche Zahl sehr viel höher sein dürfte. So habe die zivilgesellschaftliche Initiative Brandeilig für das Jahr 2019 beispielsweise 122 Übergriffe auf Moscheen erfasst.

Das Jahr 2019 sei zudem „ein Jahr des rechten Terrors“ gewesen, heißt es in dem Bericht mit Blick auf die Ermordung des CDU-Politikers Walter Lübcke, den Anschlag von Halle oder Morddrohungen wie gegenüber der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli und der NSU-Opferanwältin Seda Başay-Yıldız.

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