Die Geliebte wurde per Richtschwert „entsorgt“


Weil sie die Tochter ihres Arbeitgebers „verhext“ haben sollte, wurde Anna Göldi 1782 in Glarus der Prozess gemacht. Die Honoratioren hatten gute Gründe für einen der letzten „Hexenprozesse“. Zeugen sprachen von Justizmord.

Florian Stark | WELT

Am 13. Juni 1782 wurde Anna Göldi in Glarus enthauptet. Links ein nachempfundenes Porträt von Patrick Lo Giudice.Quelle: Patrick Lo Giudice/ Wikipedia/ CC BY-SA 2.0; picture-alliance/ dpa/ Steffen_Schmidt/ KEYSTONE Nutzung unter der Lizenz CC BY-SA 2.0

Der Steckbrief hatte einen gefährlichen Unterton. Gesucht wurde eine etwa 40 Jahre alte Frau von „dicker und grosser Leibsstatur“ und „etwas ungesunden Augen“, auf deren Ergreifung die stolze Summe von 100 Kronenthaler ausgesetzt waren. Denn es ging um eine „ungeheure That“ und „geheime, fast unbegreifliche“ Machenschaften „gegen ein unschuldiges acht Jahre altes Kind“. Eine solche Charakterisierung war den Zeitgenossen eine eindringliche Warnung: Achtung, Hexe!

Mit dieser Beschreibung rief der Steckbrief in der „Zürcher Zeitung“ am 9. Februar 1782 zur „Gefangennehmung“ von Anna Göldin (1734–1782) auf, heute in der Regel als Anna Göldi bekannt. Sie wurde ergriffen, verurteilt und hingerichtet – als eines der letzten Opfer des Wahns, der als „Hexenverfolgung“ in die Geschichte eingegangen ist und dem in der Frühen Neuzeit vielleicht 60.000 Menschen, zumeist Frauen, in Europa zum Opfer gefallen sind.

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