Gutachter: Sekten-Chefin in Mordprozess ist schuldfähig


Die mutmaßliche Sekten-Chefin, die sich wegen Mordes an einem vierjährigen Kind vor dem Hanauer Landgericht verantworten muss, ist laut einem Gutachter trotz einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung schuldfähig.

Süddeutsche Zeitung

Zu dieser Diagnose kommt Dieter Marquetand, Facharzt für Psychiatrie, der am Dienstag als Sachverständiger aussagte. Der Vierjährige war im August 1988 im Haus der Hanauer Gruppe gestorben, weil er in einen Leinensack verschnürt wurde. „Ob es sich nun um eine geschlossene religiöse Gruppierung oder um eine Sekte handelt – aus psychologischer Sicht ist das völlig irrelevant“, befand der Gutachter, der keinerlei Einschränkungen der Schuldfähigkeit der Angeklagten erkannte.

Marquetand sagte, die Selbstdarstellung und -überschätzung der Angeklagten in religiösen Dingen sei zwar „schwer abnorm“, stelle aber keine Psychose wie einen Wahn dar. „Es liegt kein krankhafter Verlauf vor.“ Die Angeklagte gibt seit Jahrzehnten vor, mit Gott in direktem Kontakt zu stehen.

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