250 Jahre Hegel: Nur wer negiert, bleibt positiv


Georg Wilhelm Friedrich Hegel erklomm einst den Gipfel der Systemphilosophie: Jetzt erklären gegenwärtige Denkerinnen wie Judith Butler den Schwaben zu ihrem Vorbild

Ronald Pohl | DERSTANDARD

Für einen Philosophen, der die krude Welt der Erscheinungen in reines, logisch abgeleitetes Wissen übersetzen wollte, war der Schwabe Hegel ein bemerkenswert aufgeräumter Mann. Zeitgenossen wie Goethe priesen sein Talent zur Geselligkeit: Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831) sprach nicht nur ausgiebig dem Rebensaft zu. Der berüchtigtste Systemphilosoph des Deutschen Idealismus spielte Billard und brachte seine Jenaer Haushälterin in gesegnete Umstände. Als er, endlich arriviert, nach 1818 in Berlin Vorlesungen hielt, frappierte er die Hörer mit Genuschel und verworrenen Sätzen.

Bis heute ist Hegel der Chimborazo des Deutschen Idealismus geblieben. Stöhnen die einen über die „Eiswüste“ seines Denkens, erklimmen die anderen seine Schultern. Karl Marx entlieh von Hegel die dialektische Methode. „Linkshegelianer“ übernahmen den Kniff der „bestimmten Negation“: Will der Geist in der allmählichen Entfaltung zu sich kommen, muss er durch die Aufhebung seiner selbst hindurch.

Operationen des Geistes

Was uns unmittelbar entgegentritt, soll zugleich durch unser Denken „für uns“ vermittelt sein. Hegels Operationen erweisen die Geschichte des „Geistes“ als Aufhellung, als ein Durchsichtig-Werden. Dabei hebt sich die Struktur des Bewusstseins auf dem Weg vom „Verhältnis“ zum „Selbstverhältnis“ quasi auf. Denken, so Hegel, kann nicht anders als in Relationen vonstatten gehen. Zugleich ist dieser am 27. August 1770 in Stuttgart geborene Mann der Prophet der Freiheit.

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