Keine Ausländer: Geisterstrände in der Türkei


Die Corona-Krise setzt dem Urlaubsland Türkei schwer zu. Ausländische Gäste bleiben aus – wegen geringer Infektionszahlen aus türkischer Sicht zu Unrecht

Jürgen Gottschlich | DERSTANDARD

Sehr viel Strand, sehr wenige Menschen: Derzeit sind es fast ausschließlich inländische Gäste, die den Konyaalti Beach in Antalya aufsuchen. Foto: Reuters

Wer vom Flughafen aus mit dem Bus nach Marmaris kommt, sieht die Stadt zunächst aus der Höhe, bevor die Straße sich in Serpentinen zum Meer herunterschraubt. Der Blick ist immer wieder atemberaubend. An einer großen, fast geschlossenen Bucht reicht der Wald nahezu bis ans Ufer. Entlang der Bucht liegen die großen Hotels, die exklusivsten teilweise direkt im Wald. Es ist ein Urlaubsort, wie man ihn sich erträumt. Jetzt, Ende Juni, wären die Hotels normalerweise bereits gut gefüllt, und die Stadt würde pulsieren. Die Restaurants, Clubs, Bars und Diskotheken von Marmaris sind legendär.

Doch die Stadt ist leer. Die knapp 90.000 Einwohner, zu denen im Sommer normalerweise gut 450.000 Urlauber kommen, sind weitgehend unter sich. Es wirkt nicht nur gespenstisch, es ist ein wirtschaftliches Debakel für eine Stadt, die 90 Prozent ihrer Einnahmen durch den Tourismus generiert. Einige Rentner sitzen in selbst mitgebrachten Stühlen am leeren Strand, in den Cafés sind so wenige Gäste, dass die Abstandsregeln wie von selbst eingehalten werden. Von den mehr als 20 großen Fünf-Sterne-Hotels, die an der Bucht von Marmaris in den letzten 30 Jahren gebaut worden sind, ist lediglich eines geöffnet. Das Marti, „Die Möwe“, liegt landschaftlich gut angepasst im Wald versteckt. Es hat seit einer Woche geöffnet, von den insgesamt 285 Zimmern sind lediglich 60 belegt.

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