Rassismus und Polizeigewalt: Wer hat hier Vorurteile?

Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay

Die deutsche Polizei gerät zunehmend unter gesellschaftlichen Druck. Doch von einem strukturellen Rassismus zu sprechen, geht an der Wirklichkeit vorbei. Was wir zu fürchten haben – und wen nicht.

Sandra Kegel | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Patrouille: Zwei Polizisten in Frankfurt Bild: dpa

Meine letzte Begegnung mit der Polizei ist erst ein paar Wochen her. Mitten im Lockdown trafen sich an einem gespenstisch leeren Frankfurter Flughafen Hunderte Eltern, um ihre Kinder in Empfang zu nehmen, die nach einer abenteuerlichen Rückholaktion in Terminal 2 erwartet wurden. Stunde um Stunde verging, doch nichts geschah, die Schiebetür am Gate blieb verschlossen. Manche der Wartenden ließen ihren Furor darüber jedoch nicht etwa an den mitgeschleppten Teddybären aus, sondern an den Polizisten. Während diese mit freundlichen Worten die versprengte Gruppe wiederholt darauf hinwiesen, dass es sich hierbei um eine Sondersituation innerhalb des Lockdowns handele, die Abstandsregelung dennoch einzuhalten und nach Zusammenführung der Angehörigen das Gelände jeweils zügig zu verlassen sei, wurden sie von einigen Eltern mit zunehmender Schärfe beschimpft. Wie lächerlich das sei, war da zu hören, was für eine unzumutbare Gängelei und in welcher Diktatur man denn hier gelandet sei. Auf die verbalen Ausfälle reagierten die Polizisten mit Gelassenheit und Auskünften und halfen zudem nach schließlich glücklicher Landung der Kinder bei der Suche verlorener Gepäckstücke.

Werde bloß kein Polizist!

Wer heutzutage mit Polizisten spricht, kann sich ein Bild davon machen, wie groß die Verunsicherung in ihren Reihen inzwischen ist. Wobei solche Attacken nervöser Eltern vergleichsweise harmlos sind, wenn man bedenkt, wie die Gewalt gegenüber Polizistinnen und Polizisten hierzulande jedes Jahr zunimmt. Mehr als fünfunddreißigtausend Fälle von Angriffen gegen Vollstreckungsbeamte zählte das BKA 2019. Wer spricht über sie?

weiterlesen