Scrabble des Lebens


Auf die Entschlüsselung des Humangenoms vor 20 Jahren folgte Ernüchterung. Doch neue Sequenziermethoden kommen den einstigen Zielen wieder näher.

Beatrix Stoepel | heise online

„Heute lernen wir die Sprache, in der Gott das Leben geschaffen hat.“ Mit diesen Worten erklärt US-Präsident Bill Clinton am 26. Juni 2000 die beiden Genetiker Francis Collins, damals Chef des staatlich geförderten Humangenomprojekts (HGP), und Craig Venter zum Sieger im Wettlauf um die Entschlüsselung des menschlichen Genoms. Ein Meilenstein in der Forschung – und der Diplomatie. Um beide gemeinsam im Weißen Haus vor die Presse zu bekommen, war harte Überzeugungsarbeit nötig. Nur zwei Jahre zuvor hatte Venter die HGP-Forscher noch mit den Worten brüskiert: „Den Menschen mache ich, Sie nehmen sich besser die Maus vor.“

Dem als aufbrausend bekannten Venter, der anfangs zu dem 1990 gegründeten HGP-Team aus über 1.000 Forschern zählte, ging alles viel zu langsam. Tatsächlich war die Sequenzierung des Erbguts in den 1990ern eine sehr langwierige Arbeit. Zunächst isolierten die Forscher aus den Chromosomen lange, sich an den Enden überlappende DNA-Fragmente und zerlegten sie in immer kleinere Abschnitte. Anschließend bestimmten sie mittels Sequenziermaschinen die Folgen der vier Basen, aus denen die DNA besteht. Die ordneten sie in der richtigen Reihenfolge an, bis sie schließlich die Karte eines ganzen Chromosoms erhielten – Gen für Gen.

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