Wie Kirche agieren muss, wenn der Glaube nicht mehr gebraucht wird


Der neue Rekord bei den Kirchenaustritten zeige eine harte Wahrheit, analysiert der Theologe Jan Loffeld: Vielen Menschen fehle ohne Gott und Kirche nichts – und das ganz unabhängig von großen Skandalen. Doch trotz aller Trauer – Loffeld sieht auch Chancen für eine Kirche in Transformation.

Jan Loffeld | katholisch.de

Erlauben Sie einen kurzen Einstieg mit zwei persönlichen Erinnerungen. Im Mai 2003, einen Monat bevor unser damals 16-köpfiger Weihekurs in Münster die Priesterweihe empfing, fand in Mainz der erste bundesdeutsche Seminaristentag statt. Bei der Abschlusspodiumsdiskussion in der Rheingoldhalle (die man aufgrund der noch hohen Kandidatenzahlen gebucht hatte) war der Tenor der Teilnehmenden einhellig: „Die Welt braucht Seelsorge, sie braucht auch Priester, die Sakramente spenden, Ihr geht in eine gute Zukunft.“ – „gottgeweiht und weltgewandt“, das damalige Motto des Mainzer Treffens gab zugleich das „Rezept“ dazu.

Szenenwechsel: Im vergangenen Jahr beim Antritt der Stelle hier in Utrecht erwähnte die religionspädagogische Kollegin im Kennenlerngespräch so ganz nebenbei: „Hier in Holland wartet niemand auf uns“. Sie sagte das überhaupt nicht mit Gram, Trauer oder gar mit depressivem Unterton.

weiterlesen