Darf Berlin für den Kirchenaustritt werben?


Es gibt Riesenärger auf dem Berliner Boulevard: Als „Finanztipp“ informierte die Bundeshauptstadt auf ihrem Onlineportal über den Kirchenaustritt. „Geschmacklos“ nennt das die „B.Z.“ Hat sie recht?

Klaus Ungerer | hpd.de

Foto: ©Christian Parth

Religion ist, wie wenn man einen Flughafen baut, auf dem niemals ein Flugzeug landen wird: großer Aufwand, große Erwartungen, Ertrag null, im Ganzen ein teures Vergnügen. Daher ist es wenig überraschend, dass ausgerechnet die Bundeshauptstadt kürzlich auf ihrem Onlineportal berlin.de über den Kirchenaustritt informierte. Als „Finanztipp“. In Zeiten, da vielen Menschen die Kohle ausgeht, vielleicht gar nicht so dumm, zumal die Kirchenaustritte eh boomen wie nie zuvor: Irgendwo müssen die Leute ja einsparen, um ihre Yogakurse und Achtsamkeitsseminare bezahlen zu können.

Gunnar Schupelius, rechtslastiger Kolumnist des Boulevardblatts B.Z., gab sich kurz darauf zutiefst empört: Sicherlich sucht er oft auf der Internetseite berlin.de nach Finanztipps, oder wenn das nicht, dann sucht er doch erfolgreich nach Dingen, die sich skandalisieren lassen, nicht umsonst heißt seine Kolumne „Mein Ärger“. Schwungvoll arbeitet er sich also in die obligatorische Empörung hinein, und im Teaser zum Text nennt die Redaktion den Finanztipp „geschmacklos“. Was natürlich wiederum diese Kolumne hier auf den Plan ruft, um nach Sitte und Anstand zu fragen: Geschmack, was ist denn das in diesem Zusammenhang?

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