Calvinismus: Der Pastor, die Hölle und die nackten Frauen im Quelle-Katalog


Der Autor und Theologieprofessor Klaas Huizing wuchs in einem streng calvinistischen Milieu an der deutsch-niederländischen Grenze auf. Überall lauerte die Sünde, sogar im Handballspiel. Sein neuer Roman „Das Testament der Kühe“ ist eine Art „Generation Golf“ für Calvinisten.

Klaas Huizing im Gespräch mit Christiane Florin | Deutschlandfunk

Klaas Huizing wuchs in der Grafschaft Bentheim an der deutsch-niederländischen Grenze auf (Ita Niehaus)

Hendrik soll entweder Pastor werden oder Professor. Denn der Sohn eines Baustoffgroßhändlers ist auserwählt. Prädestiniert, wie es im Calvinismus heißt. Hendrik, die Hauptfigur in Klaas Huizings autobiografisch gefärbtem Roman „Das Testament der Kühe“, wächst in der Grafschaft Bentheim auf, einer Region an der deutsch-niederländischen Grenze. Dort sind die Altreformierten besonders stark vertreten, eine evangelische Freikirche, die sich auf den sittenstrengen „Heidelberger Katechismus“ beruft. Huizings Roman erzählt ironisch-liebevoll von einer Kindheit in den 60er- und 70er-Jahren. Es ist eine Art „Generation Golf“ für Calvinisten, wenn auch für eine überschaubarere Zielgruppe als Florian Illies‘ Erfolgsbuch. Die Altreformierten sind im deutschen Protestantismus eine Minderheit.

„Pastor Hendrikje führ sich mit dem Ärmel der Jacke über die Stirn, hob dann den Finger: „Liebe Gemeinde. Der Mensch ist ganz böse. Durch und durch böse. Hendrikje blickte Hendrik sehr streng an. „Glaube bloß nicht, dass du als kleines Kind nicht böse bist. Auch du bist böse. Seit du auf der Welt bist.“ 

Klaas Huizing ist Schriftsteller und Professor für evangelische Theologie in Würzburg. Im Gespräch mit dem DLF sagte Huizing: „Die Sündenverdrießlichkeit im Calvinismus ist sehr markant. Der Mensch gilt als letztlich böse und durch sündig.“ Kinder wuchsen mit einer Pädagogik der Angst auf. Bis heute, so erzählt er, habe er Probleme mit dem Sonntag, er liebe den Montag. „Für Kinder waren die Sonntage unerträglich. Die Sonntagsheiligung stand im Mittelpunkt, das war so etwas Ähnliches wie ein religiöser Lockdown“. Man musste zweimal zur Kirche, die Predigten waren extrem lang. Freizeit nach dem Kirchgang gab es kaum. Freibadbesuche etwa waren am Sonntag verboten, weil man Geld hätte ausgeben müssen. „Damit hätte man sich mitschuldig daran gemacht, dass andere Menschen sonntags arbeiten mussten“, erläuterte Huizing.  

weiterlesen