Kanada: Zwitschernde Trendsetter


Ein neuer Dialekt unter Weißkehlammern überrollt Kanada. Forscher wundern sich über die Innovationsfreude der Vogelart.

Kathrin Blawat | Süddeutsche Zeitung

In den 1960er-Jahren bestand das Finale des Weißkehlammer-Gesangs noch in ganz Kanada aus einem Triplett. Foto: imago stock&people

Etwas fortführen, nur weil man es schon seit Jahrzehnten macht? Für Weißkehlammern in Kanada kommt das nicht infrage. Im Gegenteil, die Vögel wirken aufgeschlossen für Neues – für neue Varianten ihres Gesangs, um genau zu sein. Wie Biologen um Ken Otter von der University of Northern British Columbia nachverfolgt haben, ist unter männlichen Weißkehlammern innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit ein neuer Dialekt Mode geworden – über eine Distanz von etwa 3000 Kilometern hinweg. Mehr noch: Wo die neue Gesangsvariante aufgetaucht ist, hat sie die alte komplett verdrängt, schreibt die Fachzeitschrift Current Biology.

In den 1960er-Jahren bestand das Finale des Weißkehlammer-Gesangs noch in ganz Kanada aus einem Triplett, also einer Einheit aus drei Noten. Innerhalb der folgenden 40 Jahre setzte sich ein neuer Dialekt im äußersten Westen des Landes durch: Am Ende ihres Gesangs wiederholten die Vögel nun zwei Töne statt des traditionellen Tripletts. Jenseits der Rocky Mountains hingegen war die moderne Variante noch nicht angekommen.

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