Tabakwerbeverbot: Deutschland auf dem Weg zum Nanny-Staat


Der Deutsche Bundestag hat die Tabakwerbung fast völlig unterbunden. Er treibt damit die problematische Bemutterung der Bürger einen Schritt weiter.

René Höltschi | Neue Zürcher Zeitung

Solche Tabakwerbung auf Plakatwänden wird in Deutschland nach dem Beschluss des Bundestags ab 2022 nicht mehr zu sehen sein. Norbert Schmidt / Imago

Kein Zweifel: Rauchen macht süchtig, schädigt die Gesundheit und kann zu vorzeitigem Ableben führen, schadet infolge Passivrauchens auch anderen Menschen und verursacht enorme volkswirtschaftliche Kosten. Deshalb ist es richtig, aufzuklären, mit hohen Steuern das Rauchen unattraktiver zu machen und die Raucher an den Kosten zu beteiligen oder etwa den Verkauf von Zigaretten an Kinder und Jugendliche zu unterbinden. Selbst für Rauchverbote am Arbeitsplatz oder im Speiserestaurant ist man als Nichtraucher bei aller Abneigung gegen allzu viele Vorschriften letztlich dankbar.

Ein schwerwiegender Eingriff

Soll vor diesem Hintergrund auch Werbung für Tabakwaren ganz oder fast ganz verboten werden? Die grosse Mehrheit der europäischen Staaten ist offensichtlich dieser Meinung und hat längst gehandelt. Nun zieht Deutschland nach: Der Bundestag hat in der Nacht auf Freitag ein Gesetz beschlossen, das über das EU-weite Verbot von Tabakwerbung in Radio, Fernsehen, im Internet und in Printmedien hinausgeht und auch Aussen- und Plakatwerbung (ausser an Tabak-Verkaufsstellen) untersagt sowie Kinowerbung de facto vor fast allen Filmen verunmöglicht. Sollte die Schweiz rasch nachziehen, um nicht zur geächteten Tabakwerbe-Insel in Europa zu werden?

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