Kritik der karpologischen Vernunft: Äpfel mit Birnen vergleichen? Das geht!


Endlich mal ein Kommentar, der nichts mit schwierigen Debatten zu hat – nichts mit der Vergleichbarkeit von historischem und gegenwärtigem Unrecht oder von Polizei und Müll. Hier geht’s einfach um Obst, oder? Eine kritische Karpologie, also Fruchtkunde.

Arnd Pollmann | Deutschlandfunk Kultur

Äpfel und Birnen kann man sehr wohl vergleichen, meint der Philosoph Arnd Pollmann – denn vergleichen kann man nur, was verschieden ist. (Picture Alliance / DPA / Keres / Helga Lade)

Sicher, man sollte bei Vergleichen stets ein wenig vorsichtig sein. Wer hochgradig verschiedene Dinge in einen Topf schmeißt, bekommt in hitzigen Debatten rasch zu hören: „Man kann doch wohl nicht Äpfel mit Birnen vergleichen!“ Aber das ist ein weitverbreiteter Irrtum. Denn natürlich kann man Äpfel mit Birnen vergleichen!

Fragen wir die biologische Fruchtkunde, die „Karpologie“: Äpfel und Birnen gehören beide zur Pflanzensippe der Kernobstgewächse. Sie sind roh genießbar, trotz Schale. Äpfel haben oft mehr Vitamin C und weniger Kalorien, Birnen dafür einen geringeren Säuregehalt und mehr Mineralstoffe. Man kann aus beiden Früchten Saft und auch Schnaps machen. Der Apfel kommt viel häufiger in der Weltliteratur vor, die Birnenform dagegen im Innendesign. Übrigens gibt es auch eine Gesäßforschung, die vergleicht nicht nur Äpfel und Birnen, sondern gleich auch noch Hintern in Pfirsich-, Tomaten- und Kartoffelform.

„Gleichheit“ und „Identität“

Wer Vergleiche dieser Art für anstößig hält, sollte wissen, dass ein Vergleich nicht schon impliziert, dass die verglichenen Phänomene gleich sind. Denn dann verwechselt man „Gleichheit“ mit „Identität“. Wann immer sich zwei Dinge derart ähneln, dass sie nicht bloß gleich, sondern miteinander identisch sind, gibt es keine Unterschiede mehr zwischen ihnen. Wenn es aber keine Unterschiede mehr gibt zwischen X und Y oder genauer zwischen X und X, dann kann man sie auch nicht länger „vergleichen“.

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