Adolf Bertram: Brauner Kardinal oder die Seele Schlesiens?


Adolf Bertram durchlebte das Kaiserreich, die Weimarer Republik und das Dritte Reich; in jedem System diente er treu Kirche und Staat. Seine Rolle als Breslauer Erzbischof und Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz in der NS-Zeit ist umstritten.

Christiane Laudage | katholisch.de

Bild: © KNA

Kardinal Adolf Bertram war als Erzbischof der größten deutschen Diözese Breslau und Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz zwischen 1920 und 1945 eine der wichtigsten Persönlichkeiten der deutschen Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts. Allerdings nicht unumstritten: Gerade auch innerkirchlich wurde ihm sein Verhalten als Vorsitzender der Bischofskonferenz während des Dritten Reiches zum Vorwurf gemacht, andere hingegen sahen in ihm zuerst die „Seele Schlesiens“ und den guten Seelsorger.

Der letzte Breslauer Fürsterzbischof starb vor 75 Jahren, am 6. Juli 1945, auf Schloss Johannesberg bei Jauernig (Schlesien). Seine Bischofsstadt hatte er schon im Januar kriegsbedingt verlassen müssen. Ob er am Ende des Zweiten Weltkriegs tatsächlich eine Anweisung an seine Geistlichen herausgab, „ein feierliches Requiem zu halten im Gedenken an den Führer“, wird neuerdings in der historischen Forschung hinterfragt; doch kein Zweifel besteht daran, dass der Kardinal das Dritte Reich bis zum Schluss unterstützte.

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