Klimaerwärmung setzt deutlich mehr Methan frei als gedacht


Die steigenden Temperaturen bringen mikrobielle Gemeinschaften in natürlichen Ökosystemen aus dem Gleichgewicht

DERSTANDARD

Mikroorganismen in Süßwassergewässern reagieren auf die Erwärmung. Die Produktion von Methan fällt dadurch höher aus als bisher angenommen. Foto: imago images/STAR-MEDIA / Michael Schöne

Obwohl bei klimaschädlichen Gasen das Kohlendioxid stets an erster Stelle genannt wird, ist Methan das deutlich potentere Treibhausgas. Das farb- und geruchlose, brennbare Gas mit der Summenformel CH4 ist etwa 25-mal klimaschädlicher als CO2, weshalb es trotz seiner geringen Konzentration in der Luft rund 20 Prozent zum menschengemachten Treibhauseffekt beiträgt. Der Weltklimarat IPCC hat vorgerechnet, dass die Methanemissionen gemessen am Ausstoß des Jahres 2010 in den kommenden 30 Jahren um 35 Prozent reduziert werden müssten, wenn das angestrebte 1,5-Grad-Celsius-Ziel erreichbar bleiben soll. Ein kleiner Lichtblick ist allerdings, dass Methan im Vergleich zu CO2, das in der Atmosphäre ein Jahrhundert zum Abbau braucht, dort „nur“ zwischen neun und 15 Jahre verbleibt.

Aktuell ist freilich noch keine Besserung der Methansituation in Sicht, im Gegenteil: Ohne menschliches Zutun betrug der Gehalt des Gases in der Atmosphäre bis zum Ende des 18. Jahrhunderts rund 700 ppb (parts per billion, also Teile pro Milliarde). 2017 dagegen war der Anteil mit etwa 1860 ppb um 150 Prozent höher. Damit ist heute mehr Methan in der Gashülle unseres Planeten vorhanden als jemals zuvor während der vergangenen 800.000 Jahre – soweit zumindest reichen die untersuchten Eisbohrkerne zurück, auf die sich diese Messungen stützen.

weiterlesen