Libyen: Warnsignal an die Türkei


Der Militärflughafen al-Watija, den die Türkei als permanente Basis in Libyen einrichten will, wurde angegriffen. Spannungen zwischen EU und der Türkei

Thomas Pany | TELEPOLIS

Der Angriff auf den libyschen Militärhafen al-Watija am vergangenen Sonntag, den 5. Juli, war ein deutliches Signal an die türkische Führung. Der Schaden ist gering, der Eindruck, den der Angriff hinterlässt, ist es nicht. Denn er ist eine Antwort auf den Vormarsch der Türkei in Libyen.

Wer genau für den Luftangriff verantwortlich ist, ist unbekannt. Spekulationen nennen die Vereinigten Arabischen Emirate, die sich schon seit längerem mit der Türkei in einen Krieg im Himmel über Libyen liefern, aber auch Frankreich, da der Angriff auf al-Watija offenbar sehr präzise erfolgte und dazu Geheimdienstinformationen nötig sind, die man Frankreich unterstellt.

Was genau getroffen wurde, ist ebenfalls Gegenstand von Spekulationen, es gibt keine gesicherten Informationen. Türkische Medien berichten von einem Luftabwehrsystem und „Ausrüstung“, die von unbekannten Flugzeugen zerstört wurden. Ob auch türkische Drohnen, die im kriegerischen Geschehen in Libyen eine große Rolle spielen dort untergebracht waren, ist unbekannt. Bildmaterial bestätigt die Annahme, dass das Flugabwehrsystem MIM-23 Hawk das Ziel des Angriffs war.

Unstrittig ist, dass al-Watija für die Türkei von zentraler strategischer Bedeutung ist. Ankara steht in Verhandlungen mit der libyschen Einheitsregierung (GNA), auf dem Flughafen eine permanente militärische Basis zu errichten. Von al-Watija aus kann die Türkei künftig große Teile der Küste kontrollieren und mit Transportflugzeugen Truppen versorgen.

„Es wird ein Beispiel gesetzt“

Der Angriff wird von Experten als grundlegender Schritt herausgestellt, weil die Angreifer damit dem türkischen Militär demonstrierten, dass sie bereit und dazu in der Lage sind, diese Basis zielgenau anzugreifen. „Es wird ein Beispiel gesetzt, die Militärkräfte, die dafür verantwortlich sind, werden diese Art der Operation künftig wiederholen.“ (Jalel Harchaoui)

Auch der Zeitpunkt des Angriffs verstärkte die Botschaft, denn am Wochenende war der türkische Verteidigungsminister in Tripolis. Man kann davon ausgehen, dass al-Watija ein wichtiges Thema der Gespräche zwischen Hulusi Akar und der Regierung al-Sarradsch war. Das andere große Thema zwischen den beiden ungleichen Verbündeten – die GNA-Regierung unter Sarradsch ist militärisch von der Türkei abhängig – wird nach Stand der Dinge die Offensive auf Sirte und al-Jufra, wo russische Flugzeuge (ohne Hoheitsabzeichen) stationiert wurden, gewesen sein.

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