Nicht an Antisemiten orientieren


Es ist nicht alles „Unorthodox“: Wie stellt sich jüdisches Leben in Deutschland dar? Es mangelt an Vielfalt in der medialen Darstellung.

Johanna Christner | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Esty (Shira Haas) und ihr Mann in „Unorthodox“ Bild: Anika Molnar/Netflix

New York ist für viele Menschen die Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten. Doch für Esty ist sie ein Käfig. Aus ihrem Leben in der ultraorthodox-jüdischen Satmar-Gemeinde in Williamsburg und ihrer unglücklichen Ehe will sie fliehen. Und zwar so weit weg wie nur möglich: nach Deutschland. Von ihrem Sheitel, einer Perücke, die ihr richtiges Haar verdeckt, trennt sie sich während eines Bades im Berliner Wannsee. In der Netflix-Serie „Unorthodox“ spielt Antisemitismus in nur beiläufig erwähnten und gezeigten Details eine Rolle. Nur die Tätowierung eines Badegasts erinnert Esty daran, dass die vermeintliche Idylle nicht ohne Schattenseiten ist: Auf seinem Rücken prangt ein Deutschland-Schriftzug über einem Totenkopf.

In den vergangenen Monaten waren Serien, Filme und Dokumentationen um ultraorthodoxes jüdisches Leben häufiger zu sehen. „Unorthodox“ ist ein Beispiel. Die Serie beruht auf dem gleichnamigen Buch der Autorin Deborah Feldman und erzählt eine abgewandelte Fassung ihrer Geschichte. Überschattet wird die Flucht nach Berlin jedoch von der hiesigen Realität, in der Juden angegriffen werden, weil sie in der Öffentlichkeit die Kippa tragen.

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