Pastafarianismus als demokratische Selbstverteidigung


Die Geschichte des Österreichers Niko Alm ging um die Welt. Der Anhänger der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters kämpfte um das Recht, auf seinem Führerscheinfoto eine religiöse Kopfbedeckung tragen zu dürfen: ein Nudelsieb. Oft wird die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters für einen Jux gehalten, doch der sogenannte Pastafarianismus hat einen tieferen Sinn und einen ernsten Zweck.

Niko Alm | hpd.de

Niko Alms Führerschein mit Nudelsieb-Foto.©Niko Alm

„Pastafaris tragen ein Nudelsieb als Kopfbedeckung!“ Diese plötzliche Gewissheit überkam mich ich, als ich vor über zehn Jahren den Entschluss fasste, als Mitglied der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters meiner Religion, dem Pastafarianismus, auch auf meinem Führerscheinfoto Ausdruck zu verleihen. So wie das Anhänger anderer Religionen mit ihren Hüten und Kopftüchern auch machen, indem sie von ihrem Sonderrecht zum Tragen religiöser Kopfbedeckungen Gebrauch machen. Es war, als hätte mich in diesem Moment das Fliegende Spaghettimonster (FSM) mit Seinen Nudeligen Anhängseln berührt, um mir das mitzuteilen. Ich wurde damit Zeuge des seltenen Ereignisses, dass eine gelebte Glaubenslehre durch eine persönliche transzendente Erfahrung erweitert wird – noch dazu in meiner Person.

Lehren und Riten von Religionen waren nicht immer da, es sind menschliche Erfahrungen und Traditionen, die laufend neu entstehen, sich ändern, angepasst werden und auch wieder verschwinden. Sie tauchen plötzlich auf, werden in die Tradition integriert und entwickeln sich zu religiös geprägter Kultur. So wurde auch das Nudelsieb auf dem Kopf zur akzeptierten und weltweit gelebten Praxis bei den Pastafaris.

Organisierte Religion

Der Pastafarianismus und die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters sind erst 15 Jahre alt. Das ist für eine Religion sehr jung. Aber auch Scientology ist noch keine 100 Jahre alt, den Islam gibt es knapp 1.400 Jahre, und der Katholizismus, das Judentum oder der Buddhismus sind nicht viel älter. Sie alle überdauerten in der Geschichte der Menschheit bislang nur eine vergleichsweise kurze Spanne. Trotzdem mehr als genug Zeit, Lehren zu systematisieren und Gläubige zu organisieren.

Es gibt keine nicht-organisierte Religion. Religion ist immer organisierte Religion. Sie ist gleichzeitig auch Kultur und Ideologie. Und sie ist vor allem auch eine Gemeinschaft, die hinter einer Glaubenslehre konstituiert. Religionen sind menschliche Gewerke, die sich letztendlich immer auch eine besondere Position im organisierten Gemeinwesen des Staates sichern wollen.

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