Politikwissenschaftler über die AfD: „Ignorieren geht nicht mehr“


Die AfD will mit dem „Marsch durch die Organisationen“ ihre Basis verbreitern. Wolfgang Schroeder erforscht, wie erfolgreich die Rechten dabei sind.

Sabine am Orde | taz

Im Visier der AfD: Arbeiter stoppen Björn Höcke beim Versuch, einen Streik zu instrumentalisieren Foto: Steve Bauerschmidt/ imago images

taz: Herr Schroeder, die AfD hat im vergangenen Jahr den „Marsch durch die Organisationen“ zum strategischen Ziel erklärt. Sie haben gerade eine Untersuchung durchgeführt, wie groß der Einfluss der Neuen Rechten bereits auf beispielsweise Gewerkschaften, Kirchen oder Sportvereine ist. Wie ist die Lage?

Wolfgang Schroeder: Die Akteure der Neuen Rechten haben begriffen, dass sie, wenn sie sich nachhaltig im Parteiensystem verankern und an der kulturellen Hegemonie arbeiten wollen, rein in diese Organisationen müssen; und dazu gehören auch Wohlfahrtsverbände und Kul­tur­einrichtungen. Aber sie stehen noch am Anfang.

Also kein Grund zur Sorge?

Das wäre falsch. Eine rechte Landnahme hat bislang nicht stattgefunden, aber sie haben deutliche Signale gesetzt. Sie diffamieren zum Beispiel Gewerkschaften als „Arbeiterverräter“ oder Wohlfahrtsverbände als Teil der „Asylindustrie“ und schließen damit an vorhandene Konflikte in den Organisationen an. Manche werden dadurch erst sichtbar, viele verschärft.

An den Reaktionen der Organisationen können wir sehen, dass die rechten Interventionen wirken: Die Akteure der organisierten Zivilgesellschaft sind verunsichert. Denn ignorieren oder vollständig ausgrenzen geht nicht mehr. Dafür ist das Phänomen zu groß – in Reichweite und Intensität.

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