1900 Fälle in Fleischindustrie: Schlimmste Befürchtungen werden bestätigt


Ein Bericht für den Landtag in NRW zeigt schockierende Details, wie schlecht Arbeiter in der Fleischindustrie untergebracht sind: Es geht um Schimmel, Ungeziefer und undichte Dächer. Erstaunlich gut sei dagegen die Lage der Erntehelfer.

Reiner Burger | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Frisch geschlachtete Schweine in einem Kühlhaus des Fleischunternehmens Tönnies Bild: dpa

Dass viele der überwiegend aus Osteuropa stammenden Werkvertragsarbeiter der deutschen Fleischindustrie unter unwürdigen Bedingungen leben, ist mittlerweile der breiten Öffentlichkeit bekannt. Doch die Details eines Berichts, den der nordrhein-westfälische Gesundheitsministers Karl-Josef Laumann (CDU) nun dem Landtag vorgelegt hat, sind abermals schockierend. 

Bei einer großangelegten Kontrolle von 650 Sammel- und Gemeinschaftsunterkünften oder Werkswohnungen in Nordrhein-Westfalen, in denen insgesamt 5300 Personen leben, die bei Werkvertragsunternehmen der Fleischwirtschaft arbeiten, stellten die Prüfer bis Ende Mai – also noch vor dem Fall Tönnies – rund 1900 „mittlere und gravierende“ Mängel fest. „Die Bandbreite der Beanstandungen beginnt bei fehlenden einfachen Hygienemaßnahmen wie fehlendem Desinfektionsmittel oder fehlenden Reinigungsplänen in Kombination mit Überbelegungen“, heißt es in dem Bericht wörtlich. „In extremen Fällen sind Schimmelpilzbefall, Einsturzgefahr, undichte Dächer, katastrophale Sanitäreinrichtungen, Ungezieferbefall und Brandschutzmängel festgestellt worden.“

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