Kriminalität von rechts ist viel gefährlicher als von links


Rechtsextremisten finden heute jenen Anschluss im Volk, den Linksextremisten weder hatten noch haben. Die Wahlergebnisse der AfD sind der Ausdruck davon.

Detlef Esslinger | Süddeutsche Zeitung

Foto: Oivind Hovland/imago images; Bearbeitung SZ Illustration

Im vergangenen Jahr hat es in Deutschland dreimal mehr Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund gegeben als mit linksextremistischem – doch der Rechtsextremismus ist zehnmal so gefährlich, mindestens. Dies festzustellen bedeutet nicht, all die Sachbeschädigungen, Brandstiftungen oder gar die beiden versuchten Tötungsdelikte kleinzureden, die der Verfassungsschutz der linksextremistischen Szene zurechnet. Der Präsident des Bundesamtes, Thomas Haldenwang, und Bundesinnenminister Horst Seehofer haben am Vormittag den Verfassungsschutzbericht 2019 vorgestellt. Auflistungen sind immer ein notwendiger, aber kein hinreichender Teil der Aufklärung.

Auf Seite 59 des 388 Seiten umfassenden Berichts steht ein Satz, der viel bedeutender ist, als es den Autoren möglicherweise bewusst ist. Sie schreiben, wie Rechtsextremisten die digitalen Netzwerke nutzen: „Sie leisten einen Beitrag zur Verrohung der Sprache und Konsensverschiebung im öffentlichen Diskurs.“ Wohlgemerkt, da steht nicht, dass sie lediglich versuchen, einen solchen Beitrag zu leisten. Sondern dass sie damit erfolgreich sind.

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