Ulrich Chaussy über Oktoberfestattentat: „Wer hat da vertuscht und warum?“


Die Ermittlungen zum Oktoberfestattentat sind beendet. Dem Journalisten Ulrich Chaussy reicht das nicht. Er fordert einen Untersuchungsausschuss.

Dominik Baur | taz

Ein Sarg wird am 26.09.1980 in München vom verwüsteten Tatort beim Oktoberfest weggetragen Foto: Werek/imago

taz: Herr Chaussy, Sie beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit dem Oktoberfestattentat von 1980, haben viele Ungereimtheiten bei den Ermittlungen aufgedeckt. Jetzt hat der Generalbundesanwalt die erneuten Ermittlungen zu dem Fall eingestellt. Hat sie das überrascht?

Ulrich Chaussy: Nein, nur mit dem Zeitpunkt hatte ich nicht gerechnet. Es war ja seit langem um diese Sonderkommission Theresienwiese sehr still geworden. Ich wusste nicht, ob da fleißig gearbeitet wurde, oder ob die Ermittlungen nur so vor sich hin dümpelten.

Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Zumindest zeigt es mir, dass es nicht umsonst war, jahrzehntelang darauf hingewiesen zu haben, dass es völlig absurd war, wie dieses Attentat eingeordnet wurde: als ein Ereignis, das mit Politik und Rechtsextremismus überhaupt nichts zu tun haben soll. Der Täter Gundolf Köhler wurde als junger Mann beschrieben, der einfach nur frustriert war, Liebeskummer und keine Zukunftsperspektive hatte – und deshalb die Bombe hochgehen ließ. Die neuen Ermittler haben sich nicht mit diesem Psychogramm eines Verzweifelten abspeisen lassen und sind ganz klar zu dem Ergebnis gekommen, dass dieser Anschlag rechtsextremistisch motiviert war.

weiterlesen