Ein Abend bei einem Medium: Die Geister, die sie rief, können durchaus real sein


Was erlebt man an einer Veranstaltung mit einem Medium, das mit Verstorbenen reden will? Alle Klischees, die über Esoterik kursieren. Und dennoch bleibt eine überraschend pragmatische Erkenntnis.

Tobias Sedlmaier | Neue Zürcher Zeitung

Wo Trauernde keinen Trost finden, mag Beistand aus der Kugel helfen. Alamy

Eindeutig: Der Algorithmus war schuld mit seiner Penetranz. Er spülte mir die Annonce in die Timeline meines Facebook-Profils, wieder und wieder, so lange, bis ich anbiss und darauf klickte. Für einen «Medialen Abend mit Jenseitskontakten» wurde geworben, mit einem blumigen Bild, in einer Ostschweizer Kleinstadt.

Doch warum wurde mir dieses Angebot überhaupt angezeigt? Ich habe weder ein ausgeprägtes persönliches noch professionelles Interesse an esoterischen Themen. Einmal habe ich mir aus der Hand lesen, ein zweites Mal Tarotkarten legen lassen, zum Spass. Damit stehe ich recht fern von einer Mode, die sich derart lange hält, dass man sie fast nicht mehr so bezeichnen kann.

Tatsächlich wächst die Esoterik-Szene seit den siebziger Jahren, in all ihren Ausprägungen. Nicht erst in Zeiten einer Pandemie suchen die Leute geistigen Beistand. Es gibt allein in der Schweiz Dutzende von sogenannten Medien, die behaupten, die Fähigkeit des Channeling zu beherrschen.

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