Erdoğan, der Eroberer


Das oberste Verwaltungsgericht der Türkei hat entschieden, dass die Hagia Sophia vom Museum in eine Moschee umgewandelt wird. Ein Kommentar zu diesem Akt von hoher Symbolkraft.

Bernhard Schulz | DER TAGESSPIEGEL

Die Hagia Sophia in Istanbul.Foto:oto: Osman Orsal/dpa

Es war zu erwarten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat den von ihm regierten Staat so sehr nach seinem Bilde geformt, dass die Entscheidung des Obersten Verwaltungsgerichts, die seit längerem betriebene Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee zu gestatten, nicht verwundern kann.

Ebenso wenig die juristische Begründung mit einer Anordnung aus dem Jahr 1453 christlicher Zeitrechnung, als Konstantinopel von den Osmanen unter Mehmed II. erobert worden war, was dem Sultan den Beinamen „der Eroberer“ eintrug und der Staatskirche der Byzantiner die Umwandlung in eine Moschee.

Auslöschung des kemalistischen Erbes

In wenigen Tagen will Erdoğan die Ayasofya zum Gebet öffnen und damit einen der symbolträchtigsten Akte Mustafa Kemal Atatürks, des Gründers der modernen Türkei, rückgängig machen.

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