Priya George: Kirchliche Jugendverbände sind nicht frei von Rassismus


Werden People of Color in den kirchlichen Jugendverbänden ausreichend repräsentiert? Priya George, Verbandsleiterin der GCL-MF mit indischen Wurzeln, spricht im Interview über strukturelle Hürden, den Umgang der Organisationen mit dem Thema Rassismus und über eigene Erfahrungen mit Diskriminierung.

Matthias Altmann | katholisch.de

Die „Black Lives Matter„-Debatte hat auch die Kirche in Deutschland erreicht. Kritiker bemängeln, dass in den Gremien und Verbänden People of Color trotz ihres zunehmenden Anteils an der Katholikenzahl unterrepräsentiert seien – gerade in den Vorstandspositionen. Dass sie vertreten sind, zeigt Priya George. Sie ist eine der Verbandsleiterinnen der Jugendorganisation „Gemeinschaft Christlichen Lebens – Mädchen und Frauen“ (GCL-MF), eines Mitgliedsverbands im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Die 24-Jährige wurde in Indien geboren und als kleines Kind von einem deutschen katholischen Paar adoptiert. Sie findet, dass die kirchlichen Jugendverbände das Thema Rassismus noch besser in den Vordergrund stellen müssten – und plädiert für die Revision der etablierten Strukturen.

Frage: Frau George, der Kölner Priester Regamy Thillainathan warf kürzlich die Frage auf, warum es in den kirchlichen Gremien kaum People of Color gebe, obwohl ein Viertel aller Katholiken in Deutschland einen weltkirchlichen Hintergrund habe. Hat er mit dieser Beobachtung Recht – zumindest, was die Jugendverbände betrifft?

George: Genaue Zahlen, wie viele People of Color insgesamt in den kirchlichen Jugendverbänden aktiv sind, kann ich nicht nennen. Aber in den Verbänden des BDKJ sind schon einige vertreten – auch in Vorstandspositionen. Das gilt für die Bundesebene genauso wie für die Diözesanebene. Natürlich wird das Verhältnis in der Bevölkerung nicht eins zu eins abgebildet, aber wir Jugendverbände bemühen uns, offen zu sein und allen jungen Menschen Raum zu bieten – unabhängig von ihrer Hautfarbe.

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