Theologin blickt auf geschichtliche Zusammenhänge von Missbrauch


Kirchenhistorikerin Nicole Priesching legt in ihrer Studie zu Missbrauch im Erzbistum Paderborn einen Schwerpunkt auf historische Zusammenhänge. Um die Perspektive der Opfer zu erforschen, sei noch Recherche nötig.

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„Das Ganze ist ja vielleicht das dunkelste Kapitel der kirchlichen Nachkriegsgeschichte, und wir interessieren uns dafür, warum die Vorfälle immer wieder vertuscht wurden“, sagt sie im Interview der Paderborner Kirchenzeitung „Der Dom“. Zum einen rekonstruierten sie und ihre Mitarbeiterin Missbrauchsfälle anhand von Akten der Erzdiözese. „Zum anderen geht es uns – und das ist die größere Frage – um den Wandel der Bewertungsmaßstäbe und der Praxis.“

Weitere Recherche für Perspektive der Opfer nötig

Bislang habe sie uneingeschränkt Zugang zu den Akten erhalten, erklärte die Theologin, die an der Universität Paderborn lehrt. Die Akten seien jedoch lückenhaft und gäben vor allem die Sicht der Kirche wieder. „Uns interessiert aber gerade auch die Perspektive der Opfer“, sagt Priesching. Daher soll die Recherche mit Zeitzeugeninterviews ergänzt werden. „Wenn es so weit ist, werden wir öffentlich dazu aufrufen, dass sich Betroffene bei uns melden.“ Wegen der Corona-Krise könnten sich die Gespräche jedoch verzögern.

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