Wohlfühl-Geplänkel am Brandenburger See


Die Aufregung macht das belanglose RBB-Sommerinterview mit Andreas Kalbitz wichtiger als es ist, dabei wäre das Format grundsätzlich infrage zu stellen. Kommentar

Peter Nowak | TELEPOLIS

Grafik: TP

Es war eines der seichten Politikergespräche, die unter dem Label „Sommer-Interview“ vermarktet werden. Schon das gesamte Ambiente mit einem Brandenburger See im Hintergrund macht deutlich, dass hier niemandem wehgetan würde. Hier wird Wohlfühl-Programm geboten. Es hat niemanden gestört, dass auf diese Weise seit Jahren ein öffentlich-rechtliches Programm auf Kuschelkurs mit den Parteien geht.

Doch das RBB-Sommerinterview mit Andreas Kalbitz, dem nach seinem vorerst gerichtlich gestoppten Parteiausschluss gerade wieder ins Amt gewählten Brandenburger AfD-Fraktionsvorsitzenden, bewegt seit Tagen die Gemüter.

Selbst der RRB-Chef Christoph Singlnstein musste noch einmal Stellung nehmen, warum er Kalbitz ein Forum geboten hat. Dabei hat er zunächst einmal darauf hingewiesen, dass Kalbitz die gleichen Interview-Bedingungen hatte wie alle Fraktionsvorsitzenden im Brandenburger Parlament.

Medial hatte dieses Gespräch den Effekt, dass weiter über dieses kurze Interview diskutiert wurde. Doch ein Tagesspiegel-Artikel macht noch einmal das problematische Demokratieverständnis auch der Kritiker deutlich.

„Der Rechtextremist Kalbitz wurde nicht gestellt“

Der RBB musste sich für das Interview heftige Kritik gefallen lassen. Denn der Rechtsextremist Kalbitz wurde nicht gestellt. Stattdessen war es ein harmloses Geplänkel, das Gespräch plätscherte genauso seicht dahin, wie das Wasser im Hintergrund – so wie öfters bei diesen Sommerinterviews (auch ohne AfD), mit denen der RBB, aber auch ARD und ZDF seit Jahren regelmäßig ihre Zuschauer versorgen, wenn im parlamentarischen Tagesbetrieb nicht so viel los ist.

Tagesspiegel

Der letzte Befund müsste doch eigentlich Gegenstand der Kritik sein. Da werden Zuschauer mit Wohlfühlmusik in einer Wohlfühllandschaft am See versorgt und dann kommt wird ein belangloses Geplänkel über Politik darübergelegt. Streit ist tabu, es sollen sich ja alle wohlfühlen. Und einige Liberale wollen sich nicht mit Menschen wie Kalbitz wohlfühlen, was man verstehen kann.

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