Der Nationalismus in der muslimischen Welt kehrt zurück – gut so!


Jahrzehnte bestimmte der politische Islam die Agenda. Nun ist der Nationalismus auf dem Vormarsch. Die Europäer sollten die neue Entwicklung in der muslimischen Welt fördern – selbst dort, wo sie demokratische Defizite aufweist.

Alan Posener | WELT

Dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Ende Februar den Sudan besuchte, war ein wichtiges Zeichen. Denn Afrikas drittgrößter Staat – zwischen Ägypten und Libyen im Norden, Äthiopien, Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik im Süden – steht wie kein zweiter für eine Tendenz, die zurzeit die muslimische Welt gründlich umgestaltet. Nach Jahrzehnten, in denen der politische Islam die Agenda bestimmte, kehrt der Nationalismus zurück. Gut so.

In den 1960er- und 1970er-Jahren beschworen autoritäre Herrscher wie der Schah von Persien, Ägyptens Gamal Abdel Nasser, die Baathisten in Syrien und Irak und die in der PLO zusammengeschlossenen palästinensischen Terrororganisationen den Nationalismus. Ihr Vorbild war der Gründer der modernen Türkei, Kemal Atatürk. Doch ihre Korruption, ihr Versagen bei der Modernisierung ihrer Gesellschaften und – bei den Arabern – im Krieg gegen Israel, führten überall zu einer Rückbesinnung auf den Islam als Heilsideologie.

weiterlesen