Positionspapier der EKD: Wenn die Glocken nicht mehr läuten


Die evangelische Kirche denkt über ihre Zukunft nach. Die Einschnitte sind drastisch, die Visionen ernüchternd. Setzt sie ihre Reformvorschläge um, bleibt fast nichts mehr, wie es war.

Hannah Bethke | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Kirchliche Lebenspraxis rückt zunehmend in die Ferne. Hier ist der Michel in Hamburg zu sehen. Bild: dpa

Beinahe unbemerkt von der Öffentlichkeit publizierte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) kürzlich ein Positionspapier auf ihrer Website, das einen Weg in die Zukunft weisen soll. „Elf Leitsätze für eine aufgeschlossene Kirche“ präsentiert das reformfreudige „Zukunftsteam“, das schon vor drei Jahren von der Synode der EKD einberufen wurde. Deren Zukunft ist düster, das wissen die christlichen Kirchen hierzulande spätestens seit der von EKD und Deutscher Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen Studie „Projektion 2060“, wonach sich die Zahl der Kirchenmitglieder in den kommenden vierzig Jahren halbieren wird.

Vorbei die Zeit, als man noch hoffen durfte, die Kirche kämpfte um den Erhalt ihrer Gemeinden und fände jenseits weichgespülter Kirchentagsformate eine bessere Antwort auf das Bedürfnis nach Religiosität, das ja nach wie vor existiert. Eine neue Ära bricht an: Die Realität hat die EKD eingeholt. Die Frage lautet nicht mehr: Wie können wir mehr Mitglieder gewinnen? Der Ansatz ist jetzt: Die Glaubenskrise ist unaufhaltbar.

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